Seit 2025 gelten in Deutschland erstmals verbindliche Standards für die Qualifikation von Kfz-Gutachtern. Die Richtlinie VDI-MT 5900 Blatt 2 legt klare Anforderungen für Ausbildung und Prüfungen fest – auch im Online-Format. Dies sorgt für mehr Einheitlichkeit und Vertrauen in die Branche.
Die wichtigsten Fakten:
- Mindestanforderungen: 135 Stunden Theorie, Qualifikationsniveau DQR/EQR-Stufe 6.
- Prüfungsinhalte: Fahrzeugtechnik, Schadendiagnose, Reparaturmethoden, Gutachtenerstellung.
- Online-Prüfungen: Identitätskontrollen, Live-Überwachung, praxisorientierte Aufgaben.
- Datenschutz: DSGVO-konforme Plattformen, verschlüsselte Datenübertragung.
- Qualitätssicherung: Strenge Prüferanforderungen, regelmäßige Updates der Inhalte.
Diese Standards stellen sicher, dass nur gut ausgebildete Fachkräfte Gutachten erstellen, die von Versicherungen und Gerichten anerkannt werden.
VDI-MT 5900 Blatt 2 Standards für KFZ-Gutachter: Anforderungen und Prüfungskriterien
Rechtliche und berufliche Anforderungen an Prüfungen von Kfz-Gutachtern
Rechtsstatus und Rollen von Kfz-Gutachtern in Deutschland
Die Berufsbezeichnung "Kfz-Sachverständiger" ist in Deutschland nicht geschützt. Das bedeutet, es gibt keine einheitlich geregelte Ausbildung oder staatlich anerkannte Qualifizierung. Dadurch variieren die Qualifikationen der Gutachter erheblich.
In der Praxis unterscheidet man drei Typen von Gutachtern:
- Freie Sachverständige arbeiten unabhängig und benötigen keine formale Zertifizierung.
- Öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige werden von Industrie- und Handelskammern ernannt und genießen ein hohes Maß an Vertrauen, insbesondere vor Gericht.
- Zertifizierte Sachverständige nach ISO 17024 weisen ihre Qualifikation durch Prüfungen bei akkreditierten Stellen nach.
Vor allem die beiden letztgenannten Gruppen werden von Gerichten, Versicherungen und Auftraggebern als besonders zuverlässig angesehen.
Kernrichtlinien und Standards für Prüfungen
Seit Februar 2025 gelten mit der VDI-MT 5900 Blatt 2 verbindliche Mindestanforderungen für die Erstellung von Gutachten zu Fahrzeugschäden und -bewertungen. Diese Richtlinie schreibt unter anderem Folgendes vor:
- Mindestens 135 Stunden Theorieausbildung
- Qualifikationsniveau gemäß DQR/EQR-Stufe 6
- Umfassende Kenntnisse in Fahrzeug- und Reparaturtechnik, Fahrzeugbewertung und der fachgerechten Erstellung von Gutachten.
Zusätzlich spielt die ISO/IEC 17024 eine zentrale Rolle. Dieser internationale Standard für die Zertifizierung von Personen wird durch akkreditierte Prüfstellen wie EWIVS angewendet. Er gewährleistet methodische Sicherheit und bestätigt die Fachkompetenz der geprüften Personen. Die ISO 17024 sorgt für standardisierte Prüfungen und wird als Voraussetzung für einen Eintrag ins Sachverständigenregister des VDI empfohlen. Gutachten, die diesen Standards entsprechen, gelten als rechtssicher und werden von Versicherungen anerkannt.
Anwendung der Standards auf Online-Prüfungsformate
Die ISO/IEC 17024 definiert auch Anforderungen für digitale Prüfungen, die standardisiert, unabhängig und validiert sein müssen. Bei Online-Prüfungen sind Maßnahmen wie Identitätskontrollen (z. B. durch Ausweiskontrollen oder Videoproctoring) unerlässlich, um den Anforderungen der Norm zu entsprechen und die Prüfungsintegrität zu sichern.
Die Inhalte und Abläufe der Prüfungen basieren auf der VDI-MT 5900 Blatt 2, die als Grundlage für die Bewertung der Kompetenzen angehender Kfz-Gutachter dient. Bildungsanbieter und Prüfungsstellen müssen ihre Curricula und Prüfungsrichtlinien an diesen Standards ausrichten – unabhängig davon, ob die Prüfung vor Ort oder online stattfindet.
Diese Standards tragen dazu bei, ein einheitliches Berufsbild zu schaffen und die fachlichen Kompetenzen von Kfz-Gutachtern auf einem hohen Niveau zu sichern. Die Bewertung dieser Kompetenzen wird im nächsten Abschnitt näher beleuchtet.
Kompetenz- und Inhaltliche Anforderungen an Online-Prüfungen für Kfz-Gutachter
Kernkompetenzen in Technik und Methodik
Die VDI-Richtlinie MT 5900 Blatt 2 legt erstmals verbindlich fest, welche Fachkenntnisse Kfz-Sachverständige mitbringen müssen. Online-Prüfungen sollen gezielt die systematische Schadendiagnose, die Bewertung von Reparaturwegen und die Ermittlung des Wiederbeschaffungswerts abdecken. Christof Kerkhoff hebt hervor, dass diese Standards den bisherigen uneinheitlichen Ausbildungsstandards ein Ende setzen.
Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) kritisiert Anbieter, die Personen „ohne Ausbildung und Vorkenntnisse nach sieben Stunden Online-Unterricht zum Kfz-Sachverständigen erklären“. Solche Qualitätsmängel sollen durch die neuen Standards beseitigt werden.
Diese fachlichen Anforderungen bilden die Grundlage, um im Rahmen von Online-Prüfungen auch den praktischen Umgang mit digitalen Werkzeugen zu bewerten.
Prüfung praktischer Fähigkeiten im Online-Format
Die Prüfungen fordern von den Kandidaten, anhand hochauflösender Fahrzeugbilder Schäden zu analysieren, Reparaturkosten zu kalkulieren und strukturierte Gutachten zu erstellen. Dabei stehen die präzise Identifikation von Schäden, die Auswahl geeigneter Reparaturmethoden und eine nachvollziehbare Dokumentation im Fokus.
Digitale Kompetenzen sind hierbei unverzichtbar: Online-Prüfungen testen den Umgang mit Kalkulationssystemen wie DAT, digitalen Dokumentationstools und KI-gestützten Plattformen. Der Einsatz dieser Technologien ermöglicht eine praxisnahe und effiziente Überprüfung der methodischen Fähigkeiten.
Qualifikationsstufen und berufliche Weiterentwicklung
Die Richtlinie betont darüber hinaus die Bedeutung eines gestuften Qualifikationssystems. Sie verlangt ein Ausbildungsniveau von mindestens EQR 6 (vergleichbar mit einem Bachelor-Abschluss) und etwa 135 Stunden strukturierte theoretische Schulung. Dank des modularen Prüfungsaufbaus können Teilnehmer schrittweise Zertifizierungen erwerben – von grundlegenden Kenntnissen in der Schadensbewertung bis hin zu fortgeschrittenen Kompetenzen in digitalen und rechtlichen Themen, wie der Einhaltung der TDDDG-Vorgaben. Dieser Ansatz unterstützt die kontinuierliche Weiterbildung und stärkt das Vertrauen von Gerichten, Versicherungen und Auftraggebern in die Qualität der Gutachten.
Organisatorische und verfahrenstechnische Standards für Online-Prüfungen
Zulassungs- und Identitätsprüfungsanforderungen
Damit Kandidaten an einer Online-Prüfung teilnehmen können, müssen Prüfungsanbieter ihre Identität zweifelsfrei feststellen. Dies geschieht in der Regel durch einen Ausweis-Upload kombiniert mit einer Live-Video-Verifikation oder zertifizierten eID-Verfahren. Zusätzlich wird von den Teilnehmern eine schriftliche Erklärung verlangt, in der sie bestätigen, die Prüfung eigenständig und ohne unerlaubte Hilfsmittel abzulegen.
Die fachlichen Voraussetzungen orientieren sich an den Mindeststandards der VDI-MT 5900 Blatt 2. Dazu gehört ein Ausbildungsniveau, das mindestens dem EQR 6 entspricht, sowie der Nachweis einer strukturierten theoretischen Schulung.
Diese Vorgaben schaffen eine klare Grundlage, um den Ablauf der Online-Prüfung geordnet und rechtssicher zu gestalten.
Aufbau, Dauer und Struktur von Online-Prüfungen
Online-Prüfungen müssen die in der VDI-MT 5900 Blatt 2 festgelegten Kompetenzen genauso zuverlässig abbilden wie Prüfungen in Präsenz. Die Prüfungsordnung bestimmt dabei die eingesetzten Formate: Multiple-Choice-Fragen, um Wissen abzufragen, offene Fragen, um methodisches Verständnis zu testen, und praxisorientierte Fallstudien, bei denen Fahrzeugschäden anhand von Bildern beurteilt werden.
Die Dauer der Prüfung wird vorab festgelegt und von einem integrierten Timer überwacht. Sobald die Zeit abgelaufen ist, wird die Prüfung automatisch beendet, um für alle Teilnehmer gleiche Bedingungen zu gewährleisten. Zusätzlich wird jeder Schritt der Prüfung detailliert protokolliert. Diese Protokolle umfassen Zeitstempel, Antwortverläufe und technische Logs, wodurch die Prüfung rechtssicher dokumentiert und auditierbar wird.
Qualitätssicherung und Prüferqualifikationen
Prüfer müssen den Anforderungen der VDI-MT 5900 Blatt 2 entsprechen oder diese sogar übertreffen. Typischerweise verfügen sie über einen ingenieurwissenschaftlichen oder vergleichbaren technischen Abschluss, mehrjährige Erfahrung in der Bewertung von Fahrzeugschäden sowie fundierte Kenntnisse in der Erstellung gerichtsfester Gutachten.
Um die Qualität der Prüfungen sicherzustellen, werden die Inhalte regelmäßig überprüft und aktualisiert, sodass technische Neuerungen und rechtliche Änderungen berücksichtigt werden. Plausibilitätsprüfungen, wie die Analyse von Bearbeitungszeiten oder gezielte Nachfragen in Video-Interviews, helfen dabei, die Fairness und Konsistenz über verschiedene Prüfungssitzungen hinweg zu gewährleisten. Diese Maßnahmen stärken das Vertrauen von Gerichten, Versicherungen und Auftraggebern in die Verlässlichkeit der Gutachten.
Technische, Sicherheits- und Datenschutzstandards
Technische und Sicherheitsstandards spielen eine zentrale Rolle, um einen reibungslosen und sicheren Prüfungsprozess zu gewährleisten. Sie bilden die Grundlage für die Verlässlichkeit und Qualität von Online-Prüfungen.
System- und Infrastrukturanforderungen
Für Online-Prüfungen ist eine stabile technische Infrastruktur unerlässlich. Teilnehmer benötigen eine zuverlässige Internetverbindung, eine funktionierende Webcam und ein Mikrofon, um ihre Identität nachzuweisen. Die Prüfungsplattform selbst muss mit gängigen Betriebssystemen kompatibel sein, um eine breite Nutzbarkeit sicherzustellen.
Um den Anforderungen der DSGVO gerecht zu werden, werden die Server der Prüfungsanbieter innerhalb Deutschlands oder der EU betrieben. Die Plattformen müssen außerdem durch redundante Systeme abgesichert sein, um technische Ausfälle zu minimieren. Eine hohe Verfügbarkeit ist entscheidend, damit Prüfungen ohne Unterbrechungen durchgeführt werden können.
Diese technischen Grundlagen sind der Ausgangspunkt für zusätzliche Sicherheits- und Datenschutzmaßnahmen.
Maßnahmen zur Integrität und Betrugsvermeidung
Um Betrugsversuche zu verhindern, setzen Prüfungsanbieter auf verschiedene Überwachungsmethoden. Eine davon ist das Live-Proctoring, bei dem Prüfer die Kandidaten per Video in Echtzeit beobachten können. Zusätzlich werden Bildschirmaktivitäten und Eingaben protokolliert, um verdächtige Verhaltensweisen zu identifizieren. Diese Maßnahmen stellen sicher, dass ausschließlich die erlaubte Prüfungsumgebung genutzt wird. Regelmäßige Systemüberprüfungen helfen außerdem dabei, unautorisierte Hilfsmittel aufzuspüren.
Datenschutz und Vertraulichkeit
Neben der technischen Stabilität und Integrität steht der Schutz personenbezogener Daten im Vordergrund. Alle sensiblen Informationen wie Ausweiskopien, Prüfungsergebnisse und Videoaufzeichnungen werden verschlüsselt gespeichert und übertragen. Der Zugriff auf diese Daten ist strikt auf autorisierte Prüfer und Administratoren beschränkt, und alle Zugriffe werden sorgfältig protokolliert.
Die Aufbewahrung von Prüfungsprotokollen und -ergebnissen erfolgt im Einklang mit den gesetzlichen Vorgaben. Videoaufzeichnungen werden nach einer festgelegten Frist gelöscht, es sei denn, es besteht ein berechtigter Verdacht auf Täuschungsversuche. Darüber hinaus haben Kandidaten das Recht, Auskunft über ihre Daten zu erhalten sowie deren Berichtigung oder Löschung zu beantragen, sofern keine gesetzlichen Aufbewahrungsfristen entgegenstehen.
Diese Datenschutzmaßnahmen ergänzen die technischen und organisatorischen Standards und gewährleisten die rechtliche und fachliche Sicherheit von Online-Prüfungen.
Fazit
Die Einführung klarer Standards hat die Praxis in der Branche maßgeblich geprägt und zeigt positive Effekte. Online-Prüfungen für Kfz-Gutachter sind mittlerweile etabliert, doch ihre Qualität hängt entscheidend von einheitlichen und durchdachten Vorgaben ab. Die rechtlichen, technischen und organisatorischen Anforderungen sorgen dafür, dass ausschließlich qualifizierte Fachkräfte in diesem anspruchsvollen Bereich tätig werden können.
Frühere Standards führten oft zu Unsicherheiten in der Qualifikation und beeinträchtigten das Vertrauen in die Branche. Die neuen Richtlinien hingegen haben die Schadensabwicklung deutlich professionalisiert. Christof Kerkhoff vom VDI hebt hervor:
„Die Richtlinie soll nicht nur die Qualität der Ausbildung sicherstellen, sondern auch das Vertrauen in Kfz-Sachverständige stärken".
Diese Entwicklung wurde auf dem 63. Verkehrsgerichtstag 2025 von Organisationen wie GDV, AvD, ADAC und Versicherern einhellig begrüßt.
Durch Online-Prüfungen wird sichergestellt, dass Gutachter über umfassendes Wissen in Bereichen wie Fahrzeugtechnik, Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und Produkthaftungsgesetz verfügen. Anja Käfer-Rohrbach vom GDV betont:
„Hochqualifizierte Sachverständige und strukturierte Gutachten können viele Streitigkeiten über die Schadenhöhe vermeiden".
Zusätzlich gewährleisten technische Sicherheitsmaßnahmen, Identitätsprüfungen und strenge Datenschutzvorgaben die Integrität der Prüfungsergebnisse.
Die Digitalisierung eröffnet neue Möglichkeiten, flexible Qualifizierungswege mit tiefgehendem Fachwissen zu verbinden. Unternehmen setzen bereits moderne Plattformen ein, um Standards wie die VDI-MT 5900 Blatt 2 umzusetzen, was es ermöglicht, innerhalb von nur 24 Stunden professionelle Gutachten zu erstellen. Diese Entwicklung zeigt eindrucksvoll, dass die digitale Transformation und die neuen Richtlinien Hand in Hand gehen können. So bleibt ein hohes Prüfungsniveau mit der Effizienz digitaler Prozesse vereinbar und schafft ein zukunftssicheres System.
FAQs
Welche Vorteile bringen die neuen Standards für Online-Prüfungen von Kfz-Gutachtern mit sich?
Die neuen Standards für Online-Prüfungen von Kfz-Gutachtern bringen spürbare Verbesserungen mit sich. Durch digitale Prozesse werden Bewertungen schneller und genauer, was sowohl Zeit spart als auch die Abläufe effizienter gestaltet.
Ein weiterer Vorteil liegt in der besseren Nachvollziehbarkeit und Transparenz. Jeder Schritt wird dokumentiert, wodurch rechtliche Vorgaben zuverlässig eingehalten werden. Das steigert sowohl die Qualität der Gutachten als auch das Vertrauen in deren Ergebnisse.
Wie wird bei Online-Prüfungen die Identität der Teilnehmer überprüft?
Die Identität der Teilnehmer bei Online-Prüfungen wird durch zuverlässige Authentifizierungsverfahren abgesichert. Dazu gehören Verfahren wie Video-Identifikation, biometrische Verifizierung oder die Nutzung digitaler Signaturen. Diese Methoden garantieren, dass Prüfungen sowohl sicher als auch nachvollziehbar durchgeführt werden.
Moderne Technologien tragen dabei nicht nur zur Erhöhung der Sicherheit bei, sondern sorgen auch für einen flüssigen und effizienten Ablauf des Prüfungsprozesses.
Warum ist die ISO/IEC 17024 für die Zertifizierung von Kfz-Gutachtern wichtig?
Die ISO/IEC 17024 spielt eine zentrale Rolle bei der Zertifizierung von Kfz-Gutachtern, da sie weltweit gültige Standards für die Qualifikation und Kompetenz von Fachleuten festlegt. Diese Norm stellt sicher, dass Gutachter die erforderlichen Fähigkeiten und das Fachwissen besitzen, um präzise und verlässliche Bewertungen zu erstellen.
Die Einhaltung dieser Standards garantiert nicht nur eine hohe Qualität der Gutachten, sondern stärkt auch das Vertrauen von Kunden und Geschäftspartnern. Gerade in einer zunehmend digitalisierten und vernetzten Arbeitswelt gewinnt dieser Aspekt immer mehr an Bedeutung.
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