Moderne Fahrerassistenzsysteme (ADAS) benötigen eine präzise Kalibrierung, um korrekt zu funktionieren. Mobile Kalibriergeräte bieten Werkstätten und Technikern die Möglichkeit, diese Systeme effizient und flexibel einzustellen. Folgende Geräte und Hersteller stechen hervor:
- Bosch DAS 3000: Schnelle Einrichtung (unter 10 Minuten), softwaregestützte Positionierung und millimetergenaue Kalibrierung. Unterstützt Front-, Rück- und 360°-Kameras sowie Radar und Lidar.
- Horiba Mobile Calibration Systems: Kalibrierung nach internationalen Standards (z. B. ISO 17025) und Simulation von Wetterbedingungen wie Regen und Nebel.
- AVL List Systeme: Kompakte Geräte mit Over-the-Air-Stimulation (OTA) und präziser Kalibrierung für zahlreiche ADAS-Funktionen.
- Siemens Simcenter Mobile Testlab: Kombination aus Datenerfassung und Tests für autonome Fahrfunktionen mit robusten Hardwarelösungen.
Die Wahl des richtigen Systems hängt von den spezifischen Anforderungen einer Werkstatt ab, wie Platzbedarf, Fahrzeugtypen und gewünschte Funktionen. Die vorgestellten Geräte bieten Lösungen für unterschiedliche Szenarien und Anforderungen.
1. Bosch ADAS-Kalibrierwerkzeuge

Das DAS 3000 von Bosch ist das zentrale Element der mobilen Kalibrierlösungen des Unternehmens. Dieses computergesteuerte System kombiniert Hardware und Software zu einer einzigen Lösung, die speziell für Werkstätten entwickelt wurde, die Präzision und Flexibilität benötigen. Dank seines Designs mit integriertem Aufbewahrungsfach für Zieltafeln und einem Trolley-System lässt sich das Gerät mühelos zwischen verschiedenen Arbeitsbereichen bewegen – besonders praktisch für Werkstätten mit begrenztem Platz. Im nächsten Abschnitt wird erklärt, wie die BAP-Software traditionelle Messmethoden überflüssig macht.
Die Bosch ADAS Positioning (BAP) Software ersetzt klassische Lasermessgeräte und Maßbänder durch ein System, das auf Kameras und moderner Bildverarbeitung basiert. Es zeigt Werte wie Gierwinkel und seitliche Verschiebung direkt auf dem Bildschirm an – und das mit Millimeterpräzision.
Das DAS 3000 ist mit einer Vielzahl von Sensoren kompatibel, darunter Front-, Rück- und 360-Grad-Kameras sowie Radar und Lidar. Für die Kalibrierung von Lidar-Sensoren bietet Bosch eine spezielle Zieltafel, die in Höhen zwischen 300 und 800 mm eingestellt werden kann. Durch die vollständige Integration mit der Esitronic 2.0 Online Werkstattsoftware und den KTS-Diagnosegeräten profitieren Nutzer von schrittweisen Anleitungen und einer automatischen Dokumentation.
Ein großer Vorteil des Systems ist die schnelle Einsatzbereitschaft: Innerhalb von weniger als 10 Minuten ist das DAS 3000 startklar – das ist 50 % schneller als herkömmliche Systeme. Die digitale Ausrichtung minimiert Fehlerquellen und erfüllt die Sicherheitsanforderungen für Fahrzeuge mit Level-3-Automatisierung. Dank seines modularen Designs kann das System durch neue Zieltafeln und Software-Updates erweitert werden, was es zu einer zukunftssicheren Investition macht.
2. Horiba ADAS Mobile Calibration Systems

Horiba bietet Werkstätten und Unternehmen einen praktischen Vor-Ort-Service, um Sensoren und komplette Testsysteme direkt am Einsatzort zu kalibrieren. Diese mobile Lösung ist besonders hilfreich für Betriebe, die Ausfallzeiten reduzieren möchten, da sie modernste Prüftechniken direkt in den Arbeitsalltag integriert.
Die Kalibrierungen erfolgen nach anerkannten internationalen Standards wie ISO 17025, DAkkS, VDA 6.4 und NIST. Dadurch wird sichergestellt, dass die Ergebnisse nicht nur präzise, sondern auch konsistent und zuverlässig sind.
Ein besonderes Highlight ist die Fähigkeit von Horiba MIRA, reale Bedingungen wie Regen oder Nebel zu simulieren. Diese Tests sind entscheidend, um die Performance von Kamera-, Radar- und Lidar-Sensoren unter verschiedenen Umwelteinflüssen zu bewerten.
Die mobilen Geräte von Horiba sind in der Lage, eine Vielzahl von ADAS-Sensoren zu kalibrieren und liefern dabei stets präzise Ergebnisse. Ergänzt wird das Angebot durch Softwarelösungen, die die Bedienung vereinfachen und die Genauigkeit der Kalibrierung weiter verbessern. Ähnlich wie bei Bosch sorgt eine digitale Protokollierung auch hier für eine vollständige Nachverfolgbarkeit der Prozesse.
Mit seinem mobilen Service, den internationalen Zertifizierungen und der Möglichkeit, realistische Bedingungen zu simulieren, positioniert sich Horiba als zuverlässiger Partner für Standardkalibrierungen und anspruchsvolle Sensortests.
3. AVL List Portable ADAS-Kalibrierungssysteme

Wie bereits bei Bosch und Horiba gezeigt, setzt auch AVL List auf innovative Lösungen für die mobile ADAS-Kalibrierung. Das Unternehmen legt dabei besonderen Wert auf Mobilität und Flexibilität. Mit über 450 ADAS/AD-Experten weltweit und mehr als 200 erfolgreich umgesetzten Kundenprojekten hat sich AVL als führend in dieser Branche etabliert. Die mobilen Geräte punkten mit einem kompakten Design – so verzichtet der Radar-Stimulator beispielsweise auf bewegliche Teile, was die Zuverlässigkeit im Feldeinsatz deutlich erhöht. Diese Mobilität ermöglicht fortschrittliche Funktionen wie die OTA-Stimulation.
Ein herausragender Vorteil der AVL-Systeme ist die Over-the-Air (OTA) Stimulation, die Tests ohne jegliche Modifikation am Fahrzeug erlaubt. Der Radar Target Stimulator deckt einen Frequenzbereich von 76–81 GHz ab, bietet eine Bandbreite von 4 GHz und kann bis zu 8 Ziele in Entfernungen zwischen 2 und 300 Metern simulieren. Diese Technologie ist besonders geeignet für Dienstleister, die mit einer Vielzahl unterschiedlicher Fahrzeugflotten arbeiten.
Die Präzision der Kalibrierung wird durch ISO 17025-zertifizierte Verfahren gewährleistet. Das AVL Dynamic Ground Truth System wiegt etwa 53 kg und synchronisiert sich exakt mit dem Fahrzeuglogger, um präzise Vergleichsmessungen zu ermöglichen. Es unterstützt Geschwindigkeiten von bis zu 130 km/h und arbeitet zuverlässig in einem Temperaturbereich von -10 bis 50 °C.
Die Integration der Systeme erfolgt über offene Schnittstellen. Der AVL Smart ADAS Analyzer™ ermöglicht Echtzeit-Validierung direkt auf der Teststrecke, während die AVL-DRIVE™ Software automatisch über 200 Fahrmodi und 450 Kriterien auswertet.
Die mobilen Lösungen von AVL decken sämtliche relevanten ADAS-Funktionen ab, darunter Automated Emergency Braking (AEB), Adaptive Cruise Control (ACC), Lane Support Systems (LSS) und Blind Spot Information Systems (BSIS). Die Testdaten werden per OTA an Backend-Systeme übertragen, was die Erstellung standardisierter Berichte direkt vor Ort erlaubt. Diese digitale Dokumentation entspricht den aktuellen Euro NCAP 2023- und 2026-Standards sowie weiteren internationalen Vorgaben.
4. Siemens Simcenter Mobile Testlab für ADAS

Siemens kombiniert Forschung, Entwicklung und Testtechnologie in einem mobilen System, das über rein kalibrierende Lösungen hinausgeht. Das Simcenter Mobile Testlab erfasst unkomprimierte Rohdaten von Radar, Lidar und hochauflösenden Kameras – ein entscheidender Baustein für Machine-Learning-Modelle im Bereich des autonomen Fahrens.
Im Gegensatz zu vielen anderen mobilen Werkstattlösungen ermöglicht diese Plattform eine durchgängige Erfassung echter Datenströme und zeitgleiche HIL- (Hardware-in-the-Loop) und SIL-Tests (Software-in-the-Loop). Besonders hervorzuheben ist die Mixed-Reality-Umgebung, die virtuelle Szenarien aus Simcenter Prescan direkt in die Fahrzeug-Sensoren integriert. Diese fortschrittliche Testumgebung basiert auf der kompakten SCADAS XS-Hardware.
Die SCADAS XS-Hardware, verfügbar in 6- oder 12-Kanal-Konfigurationen, entspricht dem Military Standard 810 und ist damit für den Einsatz unter anspruchsvollen Feldbedingungen geeignet. Ihre hohe Messgenauigkeit wird durch TEDS (automatische Sensoridentifikation) und einen integrierten GPS-Empfänger für präzise GNSS-Positionierung mit minimaler Latenz gewährleistet.
Neben der robusten Hardware punktet das System mit einer benutzerfreundlichen, workflow-basierten Oberfläche. Diese führt Techniker Schritt für Schritt durch Testkampagnen und schlägt dabei optimale Einstellungen vor. Eine „Guide Me“-Funktion bietet zusätzliche Unterstützung für spezifische Aufgaben und erleichtert die Bedienung erheblich.
„Mit unserer Methodik und unserem Toolset können unsere Kunden Systeme in einem viel früheren Stadium und mit deutlich geringeren Investitionen entwickeln und verifizieren." – Siemens
Das System verarbeitet enorme Datenmengen in Terabyte-Größe und unterstützt V2X-Kommunikation (DSRC, 5G), was für kooperatives automatisiertes Fahren essenziell ist. Es wird von Regierungsbehörden genutzt, um Gesetzgebungen und Typgenehmigungsverfahren für autonome Fahrzeuge zu entwickeln. Darüber hinaus ermöglicht die Software eine Echtzeit-Validierung während der Datenerfassung und erstellt interaktive Grafiken, die direkt in Microsoft Office-Dokumente exportiert werden können – und das lizenzfrei.
5. Honeywell ADAS-Diagnoseplattformen

Honeywell bietet derzeit keine eigene mobile Plattform für die ADAS-Diagnose an. Die verfügbaren Kalibriersysteme auf dem Markt stammen von anderen Herstellern.
Diese Systeme zeichnen sich durch ihre kompakte Bauweise aus und garantieren herstellerspezifische Präzision, indem sie genaue Referenzpunkte am Fahrzeug nutzen. Für Werkstätten und mobile Gutachter, die auf professionelle ADAS-Kalibrierungen angewiesen sind, ist es ratsam, auf etablierte Systeme zurückzugreifen, die sich in der Praxis bewährt haben und eine breite Fahrzeugabdeckung bieten.
Die Abwesenheit einer eigenen Lösung von Honeywell unterstreicht die Relevanz der bereits beschriebenen, erprobten mobilen Kalibrierlösungen anderer Anbieter.
6. ABB EV-ADAS-Kalibriergeräte

ABB hebt sich von anderen Anbietern ab, indem es keine eigenen mobilen Kalibriergeräte für ADAS in Elektrofahrzeugen anbietet. Stattdessen konzentriert sich das Unternehmen auf den Ausbau der Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge.
Für Werkstätten und Gutachter bedeutet das, dass sie auf bewährte Kalibrierlösungen anderer Hersteller zurückgreifen müssen. Diese Geräte decken sowohl konventionelle als auch elektrische Fahrzeuge ab und bieten die Präzision, die moderne Sensortechnologien erfordern.
Die Kalibrierung von ADAS in Elektrofahrzeugen unterscheidet sich technisch nicht von der in Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor. Entscheidend sind die herstellerspezifischen Vorgaben und die präzise Ausrichtung der Targets. Diese Anforderungen passen zu den zuvor beschriebenen Lösungen von Bosch und AVL.
Vergleichstabelle
Mobile ADAS Calibration Systems Comparison: Features and Specifications
Die folgende Tabelle bietet einen Überblick über die Hauptunterschiede zwischen den vorgestellten mobilen Kalibriergeräten.
| Gerät | Portabilität | ADAS-Kompatibilität | Genauigkeit | Software-Features |
|---|---|---|---|---|
| Bosch DAS 3000 | Software-gesteuert, reduziert die Aufbauzeit um 50 % im Vergleich zur manuellen Laser-Ausrichtung | Unterstützt Frontkameras, Radar, Lidar sowie Rück- und 360°-Kameras – kompatibel mit nahezu allen PKW und Transportern | Präzision bis auf den Millimeter, geeignet für Level‑3‑Fahrzeuge | ADAS Positioning (BAP) mit digitaler Anzeige von Distanz, Gierwinkel und Lateralversatz |
| Hella Gutmann CSC-Tool Mobile | Klappbares Fahrgestell, faltbare Target-Panels und einziehbare Spiegel | Unterstützt Frontkameras, Radar, Lidar, Rückkameras, 360°‑Systeme sowie Laserscanner (z. B. Audi) | Kalibrierung gemäß Herstellervorgaben, basierend auf dem Hinterachsschubwinkel | – |
Die Tabelle verdeutlicht die Unterschiede in den Bereichen Portabilität, ADAS-Kompatibilität und Genauigkeit, die bei der Auswahl des passenden Kalibriergeräts eine Rolle spielen. Während Bosch mit einer digitalen Positionierung und effizienterem Aufbau punktet, setzt Hella Gutmann auf eine clevere mechanische Konstruktion.
Fazit
Die Wahl des richtigen mobilen Kalibriergeräts für ADAS-Systeme ist ein Schlüsselfaktor, wenn es um Portabilität, Systemkompatibilität und Messgenauigkeit geht. Besonders Werkstätten und mobile Techniker profitieren von einer kompakten Bauweise und kurzen Aufbauzeiten. Für größere Betriebe hingegen kann der Einsatz digitaler Positionierungssoftware sinnvoll sein, da diese die Aufbauzeit um bis zu 50 % verkürzen kann.
Präzision ist unverzichtbar: Bereits kleinste Abweichungen bei der Ausrichtung von ADAS-Sensoren können schwerwiegende Fehlfunktionen sicherheitsrelevanter Systeme auslösen. Eine exakte Kalibrierung ist daher nicht nur wichtig, sondern absolut notwendig, um die Sicherheit im Straßenverkehr zu gewährleisten.
Modulare Systeme bieten zudem einen entscheidenden Vorteil: Sie lassen sich flexibel an unterschiedliche Fahrzeugtypen anpassen. Systeme, die Erweiterungskits und die Möglichkeit zur Erstellung digitaler Berichte bieten, sorgen für eine höhere Effizienz und eine bessere Rentabilität – unabhängig von der Fahrzeugmarke.
Mit der EU-weiten Verpflichtung zur ADAS-Ausstattung ab 2022 und dem Fortschritt hin zu Level-3-Fahrzeugen wird die Bedeutung solcher Kalibrierungstools weiter zunehmen. Wer jetzt in moderne Kalibrierungstechnologien investiert, sichert sich nicht nur einen Wettbewerbsvorteil, sondern ist auch bestens für die Zukunft gerüstet.
FAQs
Wie unterscheidet sich die Kalibrierung von ADAS-Sensoren bei Elektroautos von der bei herkömmlichen Fahrzeugen?
Die Grundprinzipien der ADAS-Kalibrierung – also Messung, Justierung und Validierung – bleiben bei Elektroautos und herkömmlichen Fahrzeugen weitgehend gleich. Immer dann, wenn Arbeiten am Fahrwerk, an der Frontscheibe oder an den Sensoren durchgeführt werden, ist es entscheidend, Kameras sowie Radar- und Lidar-Sensoren präzise neu auszurichten, um eine einwandfreie Funktion sicherzustellen.
Bei Elektrofahrzeugen gibt es jedoch einige Besonderheiten. Durch die veränderte Fahrzeugarchitektur, die Batterien und Hochvolttechnik mit sich bringen, sowie mögliche elektromagnetische Störungen werden oft spezielle Werkzeuge benötigt. Diese sogenannten EV-spezifischen Tools überprüfen die elektrische Umgebung der Sensoren und sorgen dafür, dass sie millimetergenau ausgerichtet werden, um Interferenzen zu vermeiden.
Kurz gesagt: Elektrofahrzeuge stellen zusätzliche Anforderungen an die Kalibrierung. Neben den Standardverfahren sind spezielle Prüf- und Kalibrierungsinstrumente erforderlich, die auf die einzigartige Bauweise und Technologie dieser Fahrzeuge abgestimmt sind.
Welche Vorteile bietet die Over-the-Air-Stimulation (OTA) bei der Kalibrierung von ADAS-Systemen?
Die Over-the-Air-Stimulation (OTA) bietet die Möglichkeit, Sensoren in ADAS-Systemen kabellos zu steuern und zu testen. Damit lassen sich diese Systeme während der Kalibrierung gründlich prüfen, ohne dass ein direkter physischer Zugang zu den Sensoren erforderlich ist.
Besonders praktisch ist diese Methode bei mobilen Kalibrierungen. Tests können flexibel und unabhängig vom Standort durchgeführt werden. Das spart nicht nur Zeit und Mühe, sondern sorgt auch für eine exakte Abstimmung der Systeme.
Warum ist eine millimetergenaue Kalibrierung von ADAS-Sensoren unverzichtbar?
Eine präzise Kalibrierung der ADAS-Sensoren ist unverzichtbar, denn selbst kleinste Abweichungen von nur wenigen Millimetern können die Leistung des Systems erheblich beeinträchtigen. Das Ergebnis? Fehlalarme, ungenaue Reaktionen oder im schlimmsten Fall ein Totalausfall der Assistenzsysteme.
Diese Genauigkeit spielt nicht nur eine zentrale Rolle für die Verkehrssicherheit, sondern minimiert auch potenzielle Haftungsrisiken. Nur durch eine exakte Justierung der Sensoren lässt sich sicherstellen, dass sie zuverlässig arbeiten und sowohl Fahrer als auch Insassen bestmöglich schützen.
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