Die virtuelle Fahrzeugbewertung verändert die KFZ-Branche grundlegend. Schäden und Fahrzeugzustände lassen sich heute per Foto, Video oder Scanner erfassen, ohne dass ein Gutachter vor Ort sein muss. Das spart Zeit, senkt Kosten und beschleunigt Prozesse – besonders bei Bagatell- oder Flottenschäden. KI-gestützte Systeme erkennen bereits 80 % aller Schäden automatisch. Dennoch bleibt die Expertise des Sachverständigen wichtig, vor allem bei komplexen Fällen oder rechtlichen Streitigkeiten.

Kernpunkte:

  • Einsatzbereiche: Unfallgutachten, Leasingrückgaben, Flottenmanagement, Oldtimer-Bewertungen.
  • Technologie: Kamerasysteme, KI-Analyse, digitale Plattformen.
  • Vorteile: Schnellere Abwicklung, weniger Vor-Ort-Termine, Kosteneinsparungen.
  • Herausforderungen: Datenschutz, Batteriebewertungen bei E-Autos, rechtliche Anforderungen.

Die Kombination aus digitalen Tools und Sachverständigen vor Ort bietet eine flexible Lösung für verschiedene Schadensfälle. Virtuelle Bewertungen sind keine Zukunftsmusik mehr – sie sind bereits Realität.

Technologie hinter virtuellen Fahrzeugbewertungen

Dieser Abschnitt beleuchtet die technische Grundlage für digitale Fahrzeugbewertungen: Hardware zur Datenerfassung, Software zur Datenverarbeitung und KI-Systeme zur automatisierten Analyse. Nur durch das Zusammenspiel dieser Komponenten entstehen präzise Gutachten, die den rechtlichen Standards in Deutschland entsprechen. Zunächst werfen wir einen Blick auf die eingesetzte Hardware.

Hardware für Fernbewertungen

Die Qualität einer virtuellen Fahrzeugbewertung steht und fällt mit der eingesetzten Hardware. Während einfache Bewertungen oft mit Smartphones durchgeführt werden, nutzen professionelle Gutachter spezialisierte Systeme.

Stationäre Fahrzeugscanner, wie Portalscanner oder Bodenscanner, erfassen Fahrzeuge vollautomatisch. Diese Geräte nehmen die gesamte Karosserie, alle Reifen und den Unterboden unter standardisierten Lichtbedingungen auf. Dadurch wird eine gleichbleibende Bildqualität sichergestellt. Moderne Scanner liefern eine Vielzahl von Aufnahmen und erzeugen so umfangreiche Datensätze.

Insbesondere bei Elektrofahrzeugen ist die Unterbodenprüfung essenziell. Mit speziellen Scannern lassen sich Schäden an Batterien oder fehlerhafte Einbauten erkennen. Für die Erfassung des Innenraums kommen zunehmend Datenbrillen zum Einsatz, die eine digitale Dokumentation ermöglichen.

Mobile Gutachter setzen auf Smartphones mit speziellen Apps, die strukturierte Fotodokumentationen ermöglichen. Die erstellten Bilder werden direkt in Cloud-Systeme hochgeladen, sodass sie zentral gespeichert und für Versicherer zugänglich sind .

Softwareplattformen für virtuelle Bewertungen

Die erfassten Daten werden mithilfe von Software verarbeitet und in ein Gutachten überführt. Auf dem deutschen Markt haben sich dabei verschiedene Softwarelösungen etabliert:

  • Branchenstandard-Kalkulationssysteme wie Audatex oder DAT bilden die Basis für die Schadenskalkulation. Diese Systeme greifen auf umfangreiche Datenbanken mit Ersatzteilpreisen, Arbeitszeiten und Herstellervorgaben zurück, um Reparaturkosten normgerecht zu berechnen.
  • Spezialisierte Digital-Gutachten-Plattformen wie EXCON Digitales Gutachten oder Instavalo One bündeln den gesamten Bewertungsprozess. Sie vereinen Bild-Upload, KI-gestützte Schadenserkennung, Kalkulation, Berichtserstellung und die Kommunikation mit Versicherern und Werkstätten in einer Oberfläche .
  • Versicherungs- und Serviceplattformen wie Onpier integrieren Fahrzeugbewertungen direkt in digitale Versicherungsprozesse. Kunden können den Fahrzeugwert online ermitteln, und die Ergebnisse fließen nahtlos in die Abläufe der Versicherer ein.

Diese Systeme erweitern den Bewertungsprozess um digitale Services. Hersteller und Händler bieten ebenfalls eigene Plattformen an, wie etwa die Online-Fahrzeugbewertung von Volkswagen. Diese liefert erste Richtwerte und kann mit Vor-Ort-Bewertungen kombiniert werden.

Durch die Digitalisierung von Bildaufnahme, Kalkulation und Kommunikation werden Medienbrüche vermieden und die Erstellung von Gutachten deutlich beschleunigt. Unternehmen in der Automobilbranche können durch den Einsatz moderner Scanner-Technologie jährlich Einsparungen in sechsstelliger Höhe erzielen.

KI in virtuellen Bewertungen

Künstliche Intelligenz spielt eine zentrale Rolle bei der automatisierten Analyse hochgeladener Fotos und Videos. Sie erkennt Schäden, ohne dass ein Gutachter jedes Bild manuell prüfen muss. Mithilfe mehrerer Module analysiert die KI Schäden bereits nach wenigen Sekunden.

Aktuelle Systeme identifizieren etwa 80 % der Schäden – darunter Lackschäden, Kratzer, Dellen und Gebrauchsspuren – automatisch. Bei stationären Scannern werden zusätzlich Reifen- und Unterbodenstatus erfasst.

Die Technologie basiert auf Computer Vision und maschinellem Lernen. Die Systeme wurden mit Tausenden von Fahrzeugbildern trainiert, um Schäden von normalen Reflexionen oder Verschmutzungen zu unterscheiden. Mit jedem verarbeiteten Datensatz verbessern sich die Ergebnisse der KI.

Ein Sachverständiger überprüft die von der KI gelieferten Ergebnisse und ergänzt sie, bevor das finale Gutachten erstellt wird. Diese Kombination aus automatisierter Analyse und menschlicher Expertise sorgt für Effizienz und hohe Qualität.

Standardisierte Plattformen und zentrale Datenbanken ermöglichen zudem eine schnellere und präzisere Bewertung. Automatisierte Prozesse reduzieren Fehler und minimieren die Gefahr von Betrug durch lückenlose Dokumentation.

Rechtliche und regulatorische Anforderungen in Deutschland

In Deutschland müssen virtuelle Fahrzeugbewertungen denselben rechtlichen und versicherungstechnischen Standards entsprechen wie herkömmliche Gutachten. Der entscheidende Punkt ist nicht die Methode der Datenerhebung, sondern ob das Gutachten die gesetzlichen Qualitätsanforderungen erfüllt. Neben den allgemeinen rechtlichen Rahmenbedingungen spielen Datenschutz und Sicherheitsvorgaben eine zentrale Rolle.

Deutsche Gesetze und Berufsstandards

KFZ-Gutachten unterliegen in Deutschland einer Vielzahl von gesetzlichen Regelungen, darunter das BGB (insbesondere §§ 280 ff. zur Haftung bei Sorgfaltspflichtverletzungen), das StVG, das VVG sowie technische Standards wie die VDI-Richtlinie 5900 und Zertifizierungsnormen wie DIN EN ISO/IEC 17024. Unabhängig davon, ob ein Gutachten vor Ort oder virtuell erstellt wird, haftet der Sachverständige bei Fehlern für mögliche Schäden.

Für die gerichtliche Verwertbarkeit eines Gutachtens sind Neutralität, Nachvollziehbarkeit und eine vollständige Dokumentation entscheidend. Dabei spielt der Weg der Datenerhebung – ob per Video, Foto oder persönlicher Inspektion – nur insoweit eine Rolle, als diese Kriterien dadurch beeinflusst werden.

Zertifizierte KFZ-Sachverständige müssen ihre Fachkompetenz nachweisen, was auch für Gutachter gilt, die virtuelle Verfahren nutzen. Anbieter sollten sicherstellen, dass ihre Gutachter entsprechend qualifiziert sind und idealerweise Zertifizierungen wie ISO 17024 oder vergleichbare Standards vorweisen können.

Viele Versicherer legen in ihren Schadensteuerungsrichtlinien fest, welche Mindestanforderungen ein Gutachten erfüllen muss. Dazu gehören unter anderem die Dokumentation von Fotos, Kalkulationen nach Standards wie Audatex, Schwacke oder DAT sowie der Reparaturweg.

Ein virtuelles Gutachten muss zudem transparent darlegen, auf welcher Datengrundlage es basiert. Wenn beispielsweise keine Demontage durchgeführt wurde oder bestimmte Bereiche nicht einsehbar sind, sollte dies klar im Gutachten vermerkt werden. Dies minimiert Haftungsrisiken und stärkt die Rechtssicherheit.

Datenschutz und Datensicherheit

Die Verarbeitung großer Mengen personenbezogener Daten – darunter Fotos, Videos, Fahrzeugidentifikationsnummern sowie Geo- und Telematikdaten – ist ein zentraler Aspekt virtueller Fahrzeugbewertungen. Die DSGVO und das BDSG schreiben vor, dass solche Daten rechtmäßig erhoben, verarbeitet und gespeichert werden müssen.

Moderne Scanner erfassen in einem einzigen Vorgang über 400 Bilder eines Fahrzeugs und erzeugen dabei Datenmengen von etwa 2 GB. Diese Daten müssen verschlüsselt übertragen und revisionssicher gespeichert werden. Zugriffskonzepte gewährleisten, dass nur autorisierte Personen auf die Daten zugreifen können, während Protokollierungssysteme dokumentieren, wer wann auf welche Daten zugegriffen hat. Diese Maßnahmen sind essenziell für die Revisionssicherheit.

Um eine DSGVO-konforme Verarbeitung sicherzustellen, sollten Dienstleister Serverstandorte innerhalb der EU oder idealerweise in Deutschland nutzen. Darüber hinaus fordern die Prinzipien „Privacy by Design“ und „Privacy by Default“, dass Datenschutz bereits bei der Entwicklung von Systemen und Prozessen berücksichtigt wird.

Digitale KFZ-Gutachten und die zugehörigen Rohdaten müssen über einen bestimmten Zeitraum aufbewahrt werden. Versionierte, revisionssichere Dokumentationssysteme, die alle Änderungen protokollieren (Audit-Trail), tragen zur Transparenz bei.

Es ist ratsam, für Kunden und Versicherer klare Nutzungsbedingungen und Haftungshinweise für Remote-Begutachtungen zu formulieren. Diese sollten auch mögliche Einschränkungen bei verdeckten Schäden berücksichtigen, die per Ferndiagnose nicht erkennbar sind.

Neben den Sicherheitsmaßnahmen sollte geprüft werden, in welchen Fällen eine virtuelle Bewertung ausreichend ist.

Wann virtuelle Begutachtungen rechtlich ausreichend sind

Virtuelle Begutachtungen sind nicht für jeden Schadensfall geeignet. Bei Bagatellschäden wie kleineren Kratzern, Dellen oder Lackschäden genügt jedoch in der Regel eine visuelle Dokumentation per Foto oder Video. In solchen Fällen kann der Schaden problemlos und rechtlich einwandfrei beurteilt werden.

Praktische Anwendungen und Workflow-Beispiele

Der virtuelle Bewertungsprozess kombiniert digitale Datenerfassung mit Fachwissen und folgt einem klar strukturierten Ablauf. Anhand der eingesetzten Technologien wird deutlich, wie digitale Prozesse bei CUBEE in der Praxis funktionieren.

Standard-Ablauf einer virtuellen KFZ-Begutachtung

Alles beginnt mit der Schadensmeldung durch den Fahrzeughalter. Diese kann entweder direkt beim Gutachter oder über die digitale Plattform der Versicherung erfolgen. Dabei werden grundlegende Daten wie die Fahrzeugidentifikationsnummer, der Schadenshergang, das Datum und der Ort des Vorfalls erfasst.

Anschließend erfolgt die Datenerfassung. Während einfache Verfahren den Upload von Fotos über eine App oder ein Webportal ermöglichen, setzen moderne Systeme auf spezialisierte Scanner-Technologien. Ein Beispiel ist der „InstaScan“, der im März 2025 auf der Flotte! 2025 in Düsseldorf vorgestellt wurde. Dieser Scanner erfasst den Zustand des Fahrzeugs, einschließlich Reifen und Unterboden, in wenigen Sekunden und erstellt Berichte wie Zustandsanalysen, Minderwertgutachten oder Kostenvoranschläge.

Die technische Auswertung startet direkt nach der Datenerfassung. Hochentwickelte Scanner können in einem einzigen Durchgang über 400 Bilder aufnehmen, während KI rund 80 % der Schäden automatisch erkennt. Ein Quick Checker überprüft die Ergebnisse, bevor ein zertifizierter Gutachter die abschließende Validierung durchführt. Dadurch können rechtskonforme Gutachten oft noch am selben Tag erstellt werden.

Nach der Voranalyse durch die KI übernimmt ein zertifizierter Sachverständiger die finale Prüfung. Er ergänzt fehlende Details, validiert die Ergebnisse und erstellt ein rechtssicheres Gutachten, das sowohl vor Gericht als auch bei Versicherungen anerkannt wird.

Das fertige Gutachten wird digital an alle relevanten Parteien übermittelt – darunter der Fahrzeughalter, die Versicherung und eventuell eine Werkstatt. Bei Haftpflichtschäden enthält es zusätzliche Informationen wie gegnerische Daten und den Unfallhergang. Bei Kaskoschäden wird hingegen oft ein vereinfachter Datensatz genutzt, um die Regulierung zu beschleunigen. Diese strukturierte Vorgehensweise bildet die Grundlage für verschiedene Anwendungsbereiche.

Optimale Einsatzgebiete für virtuelle Bewertungen

Virtuelle Begutachtungen sind besonders effektiv bei Bagatellschäden. Kleine Kratzer, Dellen oder Lackschäden lassen sich oft allein durch Fotos oder Videos rechtssicher dokumentieren und bewerten.

Auch Hagelschäden eignen sich hervorragend für diese Methode. Die typischen Dellen auf Dach, Motorhaube und Kofferraum sind auf Bildern gut erkennbar. Scanner erfassen die gesamte Karosserie, während die KI automatisch Anzahl und Größe der Dellen analysiert.

Bei Leasingrückgaben kommen standardisierte Zustandsberichte mit klar definierten Toleranzgrenzen für Gebrauchsspuren zum Einsatz. Der virtuelle Workflow nutzt strukturierte Checklisten und Vergleichsdaten aus großen Flotten. So werden Streitigkeiten zwischen Leasingnehmer und -geber über den Fahrzeugzustand vermieden.

Für den Fahrzeugverkauf oder die Inzahlungnahme reichen oft vereinfachte Online-Bewertungen aus, die sich auf Marktwert, Modell, Laufleistung und Basiszustand konzentrieren. Autohäuser profitieren hier von der schnellen Abwicklung beim Ankauf von Gebrauchtwagen.

Flottenbetreiber nutzen virtuelle Bewertungen zur regelmäßigen Kontrolle ihrer Fahrzeuge. Die digitale Dokumentation erleichtert das Flottenmanagement und ermöglicht eine langfristige Schadensverfolgung. Mietwagenunternehmen setzen ebenfalls Scanner ein, um Fahrzeugübergaben lückenlos zu dokumentieren und spätere Diskussionen mit Kunden zu vermeiden.

Wenn rein digitale Verfahren an ihre Grenzen stoßen, ergänzt ein hybrides Modell die Prozesse durch physische Inspektionen.

Hybride Modelle: Virtuelle und Vor-Ort-Begutachtung kombiniert

In der Praxis zeigt sich, dass eine Kombination aus virtuellen und physischen Begutachtungen oft die beste Lösung ist. Die CUBEE Sachverständigen AG hat diesen Ansatz konsequent umgesetzt: Fahrbare Fahrzeuge können an Container-Standorten in ganz Deutschland begutachtet werden, während bei stark beschädigten oder nicht fahrbereiten Fahrzeugen ein mobiler Gutachter zum Standort kommt.

Vor-Ort-Experten nutzen modernste Technologien zur Datenerfassung und Bilddokumentation. Die gesammelten Informationen werden zentral ausgewertet. Dieses hybride Modell verbindet die Flexibilität digitaler Verfahren mit der Präzision physischer Inspektionen und baut nahtlos auf den digitalen Grundlagen auf.

Besonders bei komplexen Schadensfällen bietet der hybride Ansatz klare Vorteile. Wenn erste Fotos auf verdeckte Schäden hinweisen, kann sofort eine Vor-Ort-Inspektion eingeleitet werden. Der Gutachter hat so die Möglichkeit, den Schaden gezielt zu prüfen – etwas, das rein digitale Verfahren nicht leisten können.

Für rechtlich sensible Fälle ist das hybride Vorgehen oft unerlässlich. Bei Unfällen mit Personenschäden oder Schadenssummen über 10.000 € verlangen Versicherungen und Gerichte meist eine physische Begutachtung. Die virtuelle Vorbewertung beschleunigt den Prozess, da der Gutachter bereits vor dem Termin einen Überblick über die kritischen Schadensbereiche hat und diese gezielt untersuchen kann.

Zukünftige Entwicklungen bei virtuellen Fahrzeugbewertungen

Die Welt der Fahrzeugbewertung verändert sich rasant durch neue Technologien und rechtliche Vorgaben. Aufbauend auf den bestehenden digitalen Prozessen zeichnen sich spannende Entwicklungen ab, die die Branche nachhaltig prägen könnten.

Neue Technologien in der Entwicklung

Die Fortschritte im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) gehen weit über die aktuelle Bildanalyse hinaus. Während heutige Systeme bereits rund 80 % der Schadensbilder erkennen, sollen zukünftige Modelle in der Lage sein, Flottenmuster zu analysieren und präzisere Wertprognosen zu erstellen.

Ab 2025 wird generative KI verstärkt eingesetzt. Sie soll automatisch Textbausteine für Gutachten generieren, Reparaturkosten schätzen und die Bilddokumentation verbessern. KI-gestützte Apps könnten dabei helfen, Fahrzeugfotos standardisiert aufzubereiten – ein entscheidender Schritt für die Qualitätssicherung bei virtuellen Bewertungen.

Auch Telematikdaten haben großes Potenzial. Vernetzte Fahrzeuge liefern kontinuierlich Informationen über Sensoren, Steuergeräte und die Fahrzeughistorie. Diese Daten ermöglichen dynamische Bewertungen, risikobasierte Tarife und schnellere Abwicklungen bei Schäden.

Augmented Reality (AR) könnte die Art und Weise, wie Fahrzeuge inspiziert werden, revolutionieren. Mit Datenbrillen könnten Gutachter in Echtzeit durch den Inspektionsprozess geführt werden, wobei kritische Bereiche hervorgehoben und direkt Messungen vorgenommen werden könnten. Besonders bei der Erfassung von Innenräumen zeigt diese Technologie großes Potenzial.

Zudem treiben neue Regulierungsvorgaben ab 2025 die Digitalisierung in Deutschland weiter voran. Kfz-Versicherer und Gutachter werden verpflichtet, digitale Plattformen für Schadenmeldungen und -bearbeitungen zu nutzen. Virtuelle Bewertungen per Foto, Video oder Videoanruf gelten dann als gleichwertig zu Vor-Ort-Terminen – vorausgesetzt, definierte Qualitätsstandards werden eingehalten. Einheitliche Bewertungsrichtlinien sollen außerdem die Vergleichbarkeit erhöhen und den Schadenbewertungsprozess transparenter und effizienter gestalten.

Auswirkungen von Elektro- und autonomen Fahrzeugen

Mit der zunehmenden Verbreitung von Elektro- und autonomen Fahrzeugen entstehen neue Anforderungen an Bewertungsprozesse.

Elektrofahrzeuge bringen besondere Herausforderungen mit sich, da die Hochvoltbatterie – oft das teuerste Bauteil – den Fahrzeugwert stark beeinflusst. Zukünftige Gutachten müssen daher zusätzliche Parameter wie den Zustand der Batterie (State of Health, SoH), Ladezyklen, Schnellladeanteile und Temperaturhistorien berücksichtigen. Mithilfe von Telematikdaten können Batteriedegradation und Restreichweite modelliert werden.

Die Bildanalyse wird bei E-Fahrzeugen verstärkt auf den Unterboden fokussiert, um Korrosion oder Schäden an Hochvolt-Komponenten zu erkennen. Hybride Prozesse, bei denen eine virtuelle Vorbewertung mit gezielten Vor-Ort-Kontrollen kombiniert wird, dürften sich als Standard etablieren.

Bei autonomen Fahrzeugen verlagert sich der Fokus von sichtbaren Karosserieschäden hin zur Sensorik. Kameras, Radar, Lidar und Steuergeräte sind essenziell für Fahrassistenzsysteme und das automatisierte Fahren. Virtuelle Gutachten müssen daher nicht nur äußere Schäden dokumentieren, sondern auch die Funktionsfähigkeit und Kalibrierung dieser Systeme überprüfen.

Logfiles und Datenrekorder werden bei Unfällen benötigt, um Systemzustände und Fahrerinteraktionen zum Zeitpunkt des Ereignisses nachvollziehen zu können. KI-gestützte Tools können Unfallabläufe virtuell rekonstruieren und dabei zwischen Fahrer- und Systemfehlern unterscheiden. In Deutschland werden detaillierte, digital nachvollziehbare Rekonstruktionen erwartet, die mit technischen Normen und gesetzlichen Vorgaben wie dem StVG und den Regelungen zur Produkthaftung übereinstimmen müssen.

Künftige Verbreitung digitaler KFZ-Gutachten

Die Nutzung virtueller Bewertungen wird in den nächsten Jahren weiter zunehmen. Die ab 2025 geltende regulatorische Verpflichtung zur Verwendung digitaler Plattformen wird den Einsatz von Online-Meldeportalen sowie Foto- und Video-Uploads fördern, wodurch durchgängig digitale Gutachten möglich werden.

Insbesondere Flottenbetreiber, Leasingunternehmen und Autovermietungen könnten von diesen Entwicklungen profitieren. Dank Scanner- und KI-Technologien lassen sich Prozesse optimieren, was laut Anbieterangaben jährliche Einsparungen in sechsstelliger Höhe ermöglichen könnte.

Fazit: Die Zukunft der virtuellen Fahrzeugbewertung

Die virtuelle Fahrzeugbewertung hat sich in Deutschland als praktikable Lösung etabliert. Unterstützt durch gesetzliche Rahmenbedingungen und den Einsatz von KI-gestützter Bildanalyse, wird die digitale Transformation in diesem Bereich immer greifbarer.

Die Vorteile sprechen für sich: Moderne Scannersysteme erfassen ein Fahrzeug in wenigen Sekunden, während KI-Modelle etwa 80 % der Schäden automatisch erkennen. Dadurch können Gutachten oft noch am selben Tag erstellt werden. Für Flottenbetreiber und Leasingunternehmen bedeutet dies spürbare Kosteneinsparungen.

Auch Fahrzeughalter profitieren: Die Schadenregulierung erfolgt schneller, Vor-Ort-Termine werden minimiert, und standardisierte, digital nachvollziehbare Bewertungen sorgen für mehr Transparenz. Digitale Plattformen, die den gesamten Prozess der Schadenmeldung und -bearbeitung abdecken, treiben diese Entwicklung zusätzlich voran.

Neue Herausforderungen für Sachverständige und Werkstätten: Ihre Rolle verändert sich grundlegend. Der Fokus liegt zunehmend auf der Interpretation digital erhobener Daten und der Qualitätssicherung der KI-Ergebnisse. Hybride Modelle, bei denen einfache Schäden digital und komplexere Fälle vor Ort bearbeitet werden, haben sich als praktikable Lösung bewährt.

Die technologische Entwicklung eröffnet zudem spannende Perspektiven. Zukünftige Tools wie 3D-Scanner, Augmented Reality und fortschrittlichere KI-Systeme versprechen noch präzisere Gutachten. Besonders bei Elektrofahrzeugen, die spezifische Ansprüche an die Bewertung von Batterien und Unterböden stellen, sowie bei autonomen Fahrzeugen mit komplexer Sensorik werden digitale Lösungen unverzichtbar sein.

Ein Beispiel für diesen Wandel bietet die CUBEE Sachverständigen AG. Sie verbindet digitalisierte Prozesse mit flexiblen Standorten und mobilen Gutachtern. Dieses hybride Modell vereint Geschwindigkeit und Präzision mit fachlicher Expertise. Gleichzeitig sorgt die lückenlose Dokumentation – vom ersten Foto bis zum fertigen Gutachten – für maximale Transparenz.

Eine intelligente Kombination beider Welten: Während digitale Prozesse den Standardfall effizient abdecken, bleiben Vor-Ort-Besichtigungen für komplexe Schäden, versteckte Strukturschäden oder rechtlich heikle Fälle unverzichtbar. Es geht nicht um ein „Entweder-oder“, sondern um das Beste aus beiden Ansätzen.

Für Fahrzeughalter, Flottenbetreiber und Sachverständige ist es jetzt entscheidend, digitale Kompetenzen auszubauen, sich mit KI-gestützten Plattformen vertraut zu machen und hybride Prozesse zu integrieren. Die virtuelle Fahrzeugbewertung ist längst keine Zukunftsvision mehr – sie gehört bereits zur Gegenwart.

FAQs

Wie wird bei der virtuellen Fahrzeugbewertung der Datenschutz gewährleistet?

Die virtuelle Fahrzeugbewertung bei CUBEE setzt einen klaren Fokus auf Datenschutz und Datensicherheit. Mithilfe moderner Technologien und strikter Sicherheitsvorkehrungen wird sichergestellt, dass sensible Informationen geschützt bleiben und ausschließlich für den vorgesehenen Zweck genutzt werden.

Der gesamte Prozess ist vollständig digitalisiert und gleichzeitig so gestaltet, dass Sicherheit an erster Stelle steht. Dabei werden alle Daten mit größter Sorgfalt behandelt, um eine schnelle und präzise Bearbeitung zu ermöglichen – ohne Abstriche bei der Sicherheit.

Wie wird künstliche Intelligenz in der virtuellen Fahrzeugbewertung eingesetzt und wie präzise sind die Ergebnisse?

Künstliche Intelligenz (KI) hat sich zu einem unverzichtbaren Werkzeug in der virtuellen Fahrzeugbewertung entwickelt. Sie kann große Datenmengen analysieren und dabei Schäden oder Fahrzeugwerte effizient und präzise bewerten. Mit Hilfe fortschrittlicher Algorithmen und Bildverarbeitungstechnologien lassen sich Schäden genau identifizieren und einschätzen, was den gesamten Prozess deutlich beschleunigt und zuverlässiger macht.

Die Genauigkeit der Ergebnisse hängt maßgeblich von der Qualität der eingesetzten Technologien und der zugrunde liegenden Daten ab. Moderne Systeme erreichen in der Regel ein hohes Maß an Präzision und ermöglichen eine objektive Bewertung. Dennoch bleibt die Rolle menschlicher Sachverständiger entscheidend. Sie ergänzen den Prozess, um sicherzustellen, dass individuelle Faktoren oder besondere Umstände, die automatisierte Systeme möglicherweise übersehen, berücksichtigt werden.

Wann ist eine Kombination aus virtueller und persönlicher Fahrzeugbewertung sinnvoll?

Eine Mischung aus virtueller und persönlicher Begutachtung erweist sich besonders bei stark beschädigten Fahrzeugen als hilfreich. In solchen Situationen kann ein mobiler Gutachter das Fahrzeug direkt vor Ort begutachten und den Schaden detailliert einschätzen.

Diese flexible Vorgehensweise sorgt für eine zügige und genaue Bewertung, die optimal auf die spezifischen Gegebenheiten des Fahrzeugs und der Schadenslage abgestimmt ist.

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