Die Kalibrierung von ADAS-Sensoren (Advanced Driver Assistance Systems) ist entscheidend für die Sicherheit im Straßenverkehr. Bereits kleinste Fehlausrichtungen können dazu führen, dass Systeme wie Notbremsassistenten oder Spurhalteassistenten nicht korrekt funktionieren. Tests zeigen, dass Fahrzeuge mit falsch kalibrierten Sensoren Hindernisse oder Fußgänger nicht rechtzeitig erkennen, was zu gefährlichen Situationen führt – sogar bei niedrigen Geschwindigkeiten.

Wichtige Punkte:

  • Selbst minimale Abweichungen unterhalb der Systemdiagnoseschwelle bleiben oft unbemerkt und beeinträchtigen die Funktion.
  • Häufige Ursachen für eine notwendige Kalibrierung: Austausch von Windschutzscheiben, Stoßfängern, Seitenspiegeln oder nach Unfällen.
  • Es gibt zwei Kalibrierungsmethoden für ADAS-Sensoren: statisch (in der Werkstatt) und dynamisch (während der Fahrt).
  • Ohne korrekte Kalibrierung drohen Sicherheitsrisiken und rechtliche Konsequenzen, insbesondere nach Reparaturen.

Fazit: Eine regelmäßige und präzise Kalibrierung der ADAS-Sensoren ist unverzichtbar, um die Funktionalität und Sicherheit moderner Assistenzsysteme zu gewährleisten.

Was sind ADAS und wie funktionieren ihre Sensoren?

Vergleich der vier ADAS-Sensortypen: Technologie, Stärken und Schwächen

Vergleich der vier ADAS-Sensortypen: Technologie, Stärken und Schwächen

ADAS-Systeme (Advanced Driver Assistance Systems) verbessern sowohl die Sicherheit als auch den Komfort, indem sie kontinuierlich die Umgebung des Fahrzeugs überwachen. Sie nutzen eine sogenannte Sensorfusion, bei der Daten aus verschiedenen Sensoren kombiniert werden, um ein genaues Bild der Umgebung zu erzeugen.

Die vier Hauptsensortypen

Moderne Fahrzeuge verwenden vier wesentliche Sensortypen, die jeweils unterschiedliche Technologien und Einsatzbereiche haben:

  • Kameras: Sie liefern hochauflösende Bilder und erkennen Elemente wie Farben, 2D-Formen und Fahrbahnmarkierungen. Allerdings sind sie anfällig für schlechte Lichtverhältnisse, Blendung oder widrige Wetterbedingungen wie Regen oder Schnee.
  • Radarsensoren: Mithilfe von Funkwellen messen sie Entfernungen, Geschwindigkeiten und Winkel von Objekten – und das unabhängig von Wetter- oder Lichtverhältnissen. Ihre Schwäche liegt in der geringeren Auflösung, was die detaillierte Modellierung von Objekten erschwert.
  • LiDAR-Sensoren: Diese nutzen Laserpulse, um präzise 3D-Karten der Umgebung zu erstellen. Sie bieten eine hohe Genauigkeit, sind aber teuer und können durch starken Regen oder Schnee beeinträchtigt werden.
  • Ultraschallsensoren: Diese arbeiten mit Schallwellen und sind besonders für die Nahbereichserkennung, etwa beim Einparken, geeignet. Sie sind kostengünstig, haben aber eine sehr kurze Reichweite und können durch externe Geräusche gestört werden.
Sensortyp Technologie Stärken Schwächen
Kamera Optisch/Bildsensoren Hohe Auflösung; erkennt Farben, 2D-Formen und Fahrbahnmarkierungen Anfällig für schlechtes Licht, Blendung und schlechtes Wetter
Radar Millimeterwellen-Funk Präzise Entfernungs- und Geschwindigkeitsmessung; wetter- und lichtunabhängig Geringere Auflösung; keine detaillierte Objektmodellierung
LiDAR Laserpulse Sehr genaue 3D-Mapping-Fähigkeiten und Langstreckenmessung Hohe Kosten; beeinträchtigt bei starkem Regen oder Schnee
Ultraschall Schallwellen Kostengünstig; ideal für Nahbereichserkennung Sehr kurze Reichweite; störanfällig durch externe Geräusche

Hauptfunktionen der Sensoren in ADAS

Die Sensoren spielen eine zentrale Rolle bei Funktionen wie Notbremsassistenten, Spurhalteassistenten, adaptiver Geschwindigkeitsregelung und Kollisionsvermeidung. Dabei werden enorme Datenmengen verarbeitet – ein einzelnes Fahrzeug kann bis zu 10 TB Daten pro Stunde generieren. Die erfassten Sensordaten werden in elektrische Signale umgewandelt, die entweder den Fahrer unterstützen oder automatisierte Reaktionen auslösen.

Die Bedeutung der Sensorgenauigkeit

Eine präzise Kalibrierung der Sensoren ist absolut notwendig. Schon eine minimale Fehlausrichtung von einem Grad kann bei einer Entfernung von 30 Metern zu einer Abweichung von etwa 2,4 Metern führen. Noch gravierender: Eine Fehljustierung von nur 0,6 Grad kann die Reaktionszeit des automatischen Notbremsassistenten halbieren. Bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h würde das Fahrzeug 2,4 Meter zu spät bremsen. Diese Zahlen verdeutlichen, wie entscheidend eine exakte Ausrichtung und Kalibrierung der Sensoren ist.

Warum ist eine genaue Kalibrierung notwendig?

Die präzise Kalibrierung von ADAS-Sensoren ist absolut entscheidend, denn selbst kleinste Fehler im Sensorbild können gefährliche Fehlfunktionen hervorrufen. Solche Abweichungen sind oft so gering, dass sie mit bloßem Auge nicht erkennbar sind, doch ihre Auswirkungen können gravierend sein – und der Fahrer merkt davon meist nichts.

Was passiert, wenn Sensoren falsch ausgerichtet sind

Das Hauptproblem bei fehlerhaft ausgerichteten Sensoren ist, dass ihre Fehlfunktion für den Fahrer unsichtbar bleibt. Wenn die Fehlausrichtung unter der Selbstdiagnoseschwelle des Systems liegt, wird kein Fehler erkannt, und es gibt keine Warnleuchte. Der Fahrer verlässt sich auf die Assistenzsysteme, obwohl diese möglicherweise falsche oder unzuverlässige Daten liefern.

Tests haben die Risiken eindrucksvoll aufgezeigt: Schon geringfügig falsch eingestellte Frontkameras führten dazu, dass Fahrzeuge Hindernisse oder Fußgänger nicht rechtzeitig erkannten – selbst bei niedrigen Geschwindigkeiten. Ein weiterer Test mit einem leicht fehljustierten Rückseitenradar zeigte, dass das System beim Spurwechsel zu spät warnte, sodass eine Kollision mit einem herannahenden Fahrzeug nicht mehr verhindert werden konnte.

Fehlkalibrierte Sensoren können zwei Arten von Problemen verursachen: Falsch-Positive, bei denen unnötige Reaktionen wie Phantom-Bremsungen ausgelöst werden, und Falsch-Negative, bei denen echte Gefahren unbemerkt bleiben. Letzteres ist besonders kritisch, da das System reale Gefahren vollständig ignoriert. Diese fehlerhaften Daten führen zu einer zunehmenden Ungenauigkeit der Positionsbestimmung, was im nächsten Abschnitt näher erläutert wird.

Wie sich kleine Fehler über die Entfernung vergrößern

Schon geringste Winkelfehler können über größere Distanzen zu erheblichen Abweichungen führen. Ein Fehler von nur einem Grad oder wenigen Millimetern bei der Montage kann dazu führen, dass der Sensor in 15 Metern Entfernung auf einen Bereich zielt, der deutlich neben der tatsächlichen Fahrspur liegt. Besonders bei der Sensorfusion – der Kombination von Daten aus verschiedenen Sensoren in einem einheitlichen Koordinatensystem – können selbst kleine Winkelfehler massive Abweichungen bei der Positionsbestimmung weit entfernter Objekte verursachen.

„Die Übertragung von Objektpositionen in ein anderes Koordinatensystem ist fehleranfällig – dies gilt besonders für kleine Winkelungenauigkeiten, die bei großen Entfernungen zu erheblichen Abweichungen führen." – Jonas Weyer, Lead Solution Architect, Luxoft

Diese Abweichungen machen es dem System unmöglich, präzise zu erkennen, in welcher Spur sich ein vorausfahrendes Fahrzeug befindet. Die Folgen reichen von leichten Problemen wie Lenkradvibrationen und erhöhtem Lenkaufwand bis hin zum kompletten Versagen von sicherheitskritischen Funktionen.

Wann muss eine ADAS-Kalibrierung durchgeführt werden?

Schon kleine Arbeiten wie der Austausch der Windschutzscheibe können die Ausrichtung der Sensoren beeinträchtigen. Dies liegt daran, dass Kameras oft direkt an der Scheibe befestigt sind oder durch sie hindurchblicken. Ebenso erfordert der Austausch von Seitenspiegeln mit integrierten Kameras, Türscheiben oder Stoßfängern – hinter denen Radar- oder Ultraschallsensoren sitzen – eine erneute Kalibrierung. Im Folgenden werden typische Szenarien beschrieben, die eine Kalibrierung notwendig machen.

Typische Szenarien, die eine Kalibrierung erfordern

Jegliche Änderungen an der Fahrzeuggeometrie oder an Bauteilen in der Nähe der Sensoren machen eine Kalibrierung unvermeidlich. Dazu gehören beispielsweise Fahrwerksarbeiten wie Spurjustierungen, der Austausch von Stoßdämpfern oder eine Tieferlegung, da solche Eingriffe den Blickwinkel der Sensoren verändern können.

Auch mechanische oder elektrische Eingriffe, wie das Trennen der Batterie, das Entfernen eines Hilfsrahmens oder Software-Updates, können eine Neukalibrierung erforderlich machen. Wenn Warnleuchten für ADAS-Funktionen wie Spurhalteassistent oder adaptiver Tempomat im Armaturenbrett erscheinen, sollte eine sofortige Überprüfung und gegebenenfalls Kalibrierung erfolgen.

Kalibrierung nach Unfällen und Reparaturen

Selbst geringe Kollisionen können die Ausrichtung der Sensoren verschieben, auch wenn äußerlich keine Schäden sichtbar sind. Bereits minimale Verschiebungen von Montagebügeln oder Halterungen – um nur wenige Grad – können die Funktion beeinträchtigen. Schätzungen zufolge wird bis 2025 bei 60 % aller Unfallreparaturen eine ADAS-Kalibrierung notwendig sein.

Die Kalibrierung muss nach Abschluss der Fahrzeugreparaturen nach einem Unfall durchgeführt werden, bevor das Fahrzeug an den Kunden übergeben wird. Fachwerkstätten führen in der Regel zwei vollständige Diagnosescans durch: einen vor Beginn der Arbeiten, um Fehler zu identifizieren, und einen nach Abschluss, um sicherzustellen, dass alle Systeme korrekt funktionieren. Bei der Schadensbegutachtung durch die CUBEE Sachverständigen AG wird ebenfalls geprüft, ob eine ADAS-Kalibrierung erforderlich ist. So wird sichergestellt, dass alle notwendigen Maßnahmen im Gutachten berücksichtigt werden und die Sicherheitssysteme nach der Reparatur einwandfrei arbeiten.

Wie werden ADAS-Sensoren kalibriert?

Dieser Abschnitt beleuchtet die präzisen Schritte zur Kalibrierung von ADAS-Sensoren, nachdem zuvor die Risiken unkalibrierter Systeme dargelegt wurden.

Die Kalibrierung erfolgt nach zwei Hauptmethoden: der statischen und der dynamischen Kalibrierung. Welche Methode angewendet wird, hängt vom Fahrzeughersteller und dem jeweiligen Sensortyp ab. Hiran Alwis, ein Experte auf diesem Gebiet, beschreibt den Prozess treffend:

„Kalibrierung ist der Prozess, bei dem die Sensoren eines Fahrzeugs lernen, wo sich die reale Welt befindet."

Statische Kalibrierung

Die statische Kalibrierung wird unter kontrollierten Werkstattbedingungen durchgeführt. Dabei kommen physische Zieltafeln, Reflektoren und Lasermessgeräte zum Einsatz, um Sensoren wie Kameras oder LiDAR-Systeme präzise auszurichten. Die Vorgaben sind dabei äußerst spezifisch: Für einen Toyota RAV4 muss etwa eine Zieltafel genau 4,5 Meter vor dem Fahrzeug in einer Höhe von 900 mm positioniert werden.

Die Umgebung spielt eine zentrale Rolle. Der Werkstattboden muss absolut eben sein, und die Beleuchtung darf keine Reflexionen erzeugen, da diese die Sensoren beeinträchtigen könnten. Moderne digitale Positionierungssysteme können den Einrichtungsprozess um bis zu 50 % beschleunigen.

Während die statische Kalibrierung auf präzise Werkstattbedingungen setzt, erfolgt die dynamische Kalibrierung direkt während der Fahrt.

Dynamische Kalibrierung

Bei der dynamischen Kalibrierung wird das Fahrzeug auf öffentlichen Straßen gefahren, damit die Sensoren mithilfe von realen Fahrbahnmarkierungen, Verkehrsschildern und anderen Objekten ihre Ausrichtung anpassen. Ein Beispiel zeigt den Ablauf bei einem Hyundai Santa Fe: Nach dem Austausch eines Radarmoduls muss das Fahrzeug mit einer Geschwindigkeit von 60–80 km/h auf einer geraden Strecke mit klaren Markierungen bewegt werden, während das Radarmodul Objekte am Straßenrand erfasst.

Die Bedingungen müssen optimal sein: wenig Verkehr, gut sichtbare Fahrbahnmarkierungen und keine schlechten Wetterverhältnisse wie Regen oder Nebel, da diese die Sensorleistung beeinträchtigen können. Selbst eine plötzliche Bremsung kann den Prozess zurücksetzen, was die Wichtigkeit einer ungestörten Fahrt unterstreicht.

Kombination beider Methoden

Viele Fahrzeuge nutzen heute eine Kombination aus beiden Ansätzen, um die bestmögliche Kalibrierung zu erreichen. Beim Volkswagen Golf wird beispielsweise zuerst eine statische Kalibrierung der Multifunktionskamera mit einer Zieltafel durchgeführt. Anschließend folgt eine dynamische Kalibrierung auf der Straße, um das Radarmodul fein abzustimmen.

Vor jeder Kalibrierung prüfen Techniker wichtige Fahrzeugparameter wie den Reifendruck, den Kraftstoffstand (mindestens halb voll) und die Fahrzeughöhe, da diese die Sensorneigung beeinflussen können. Diese doppelte Herangehensweise stellt sicher, dass sowohl die geometrische Präzision in der Werkstatt als auch die Anpassung an reale Bedingungen gewährleistet sind.

Probleme durch mangelhafte oder fehlende Kalibrierung

Eine unzureichende oder fehlende Kalibrierung von ADAS-Sensoren birgt erhebliche Risiken – sowohl für die Sicherheit im Straßenverkehr als auch in rechtlicher und finanzieller Hinsicht. Selbst kleinste Abweichungen können schwerwiegende Folgen haben, wie die nachfolgenden Beispiele zeigen.

Sicherheitsrisiken für Fahrer und andere Verkehrsteilnehmer

Fehlkalibrierte Sensoren können sicherheitsrelevante Funktionen beeinträchtigen oder komplett versagen lassen. Ein beunruhigendes Beispiel liefern Tests der DEKRA aus dem September 2023. Dabei wurden drei Fahrzeuge untersucht, deren Frontkameras minimal – jedoch innerhalb der Toleranzgrenzen der Selbstdiagnose – fehlausgerichtet waren. Die Ergebnisse waren alarmierend: Bei einer Geschwindigkeit von 60 km/h kollidierten alle drei Fahrzeuge mit einer Fußgängerpuppe. Selbst bei 40 km/h reagierten zwei der Fahrzeuge weder mit einer Warnung noch mit einer Bremsung.

„Wir haben festgestellt, dass selbst kleinste Beeinträchtigungen unterhalb der sogenannten Selbstdiagnoseschwelle zu einer sicherheitsgefährdenden Fehlfunktion führen können." – Christoph Bahnert, Teamleiter für Fahrerassistenzsysteme bei DEKRA Automobil GmbH

Ein weiterer Fall aus den USA unterstreicht die Dringlichkeit dieses Problems: Im November 2021 dokumentierte American Honda Motor Co. einen Vorfall, bei dem ein Honda Civic nach einer Kalibrierung auf einem Werkstattboden mit 1,5 Grad Neigung getestet wurde. Obwohl das Diagnosegerät eine erfolgreiche Kalibrierung meldete, reagierte das Notbremssystem bei einer Testfahrt mit 32 km/h nicht und ließ das Fahrzeug ungebremst durch das Ziel fahren. Solche falschen Diagnosen vermitteln ein gefährliches Gefühl von Sicherheit, das im Ernstfall lebensbedrohlich sein kann.

Versicherungs- und rechtliche Konsequenzen

Neben den direkten Sicherheitsrisiken können mangelhafte Kalibrierungen auch rechtliche und finanzielle Folgen nach sich ziehen. Wenn nach einem Unfall festgestellt wird, dass eine notwendige Sensorkalibrierung nach einer Reparatur nicht durchgeführt wurde, kann dies zu abgelehnten Versicherungsansprüchen führen. In solchen Fällen können sowohl der Fahrzeughalter als auch die verantwortliche Werkstatt haftbar gemacht werden, insbesondere wenn es zu Personen- oder Sachschäden kommt.

Um solche Risiken zu minimieren, erstellen Techniker formelle Kalibrierungsberichte, die direkt aus dem Fahrzeugcomputer exportiert werden. Diese Berichte dienen als Nachweis dafür, dass die Kalibrierung gemäß den Herstellervorgaben durchgeführt wurde. Versicherungen bevorzugen zunehmend Werkstätten, die sich strikt an die Kalibrierungsstandards der OEMs halten. Bereits im zweiten Quartal 2025 entfielen 65 % aller Unfallreparaturaufträge auf Werkstätten, die ADAS-Kalibrierungen anbieten.

„Da das Sensorsystem für die Assistenzfunktionen essenziell ist, sollte es daher unbedingt im Rahmen der regelmäßigen Fahrzeuginspektion überprüft werden." – Jann Fehlauer, Geschäftsführer der DEKRA Automobil GmbH

Der Kalibrierungsprozess: So funktioniert er

Der Kalibrierungsprozess für ADAS-Sensoren ist ein präziser Ablauf, der mit Messungen, speziellen Werkzeugen und sorgfältiger Dokumentation durchgeführt wird. Jeder Schritt trägt dazu bei, die Sicherheit der Systeme zu gewährleisten.

Vorbereitung und Diagnoseschritte

Vor Beginn der Kalibrierung wird das Fahrzeug gründlich vorbereitet. Techniker überprüfen den Reifendruck, die Radausrichtung und den Kraftstoffstand (mindestens halbvoll), da diese Faktoren die Sensorausrichtung beeinflussen können. Zudem muss die Werkstattfläche absolut eben sein, um genaue Messergebnisse zu garantieren.

Ein herstellerspezifisches Diagnosegerät wird eingesetzt, um einen umfassenden „Gesundheitscheck“ des Fahrzeugs durchzuführen. Hierbei werden Fehlercodes oder Systemstörungen identifiziert. Nur wenn keine Fehler vorliegen, kann die Kalibrierung starten.

Durchführung der Kalibrierung

Die Kalibrierung erfolgt entweder statisch oder dynamisch:

  • Statische Kalibrierung: Eine Kalibriertafel wird in exakt vorgegebenen Abständen und Höhen positioniert, wie z. B. beim Toyota RAV4 (4,5 m Abstand, 900 mm Höhe). Ein Beispiel: ADAS-Spezialist Hiran Alwis dokumentierte im August 2025 die Kalibrierung eines Toyota RAV4 nach dem Austausch der Windschutzscheibe. Nach einem fünfminütigen Scan folgte eine Testfahrt, um Funktionen wie den Spurhalteassistenten und die adaptive Geschwindigkeitsregelung zu überprüfen. Präzise Werkzeuge wie Laser-Messmodule und Maßbänder sorgen für die millimetergenaue Ausrichtung der Tafel. Das Diagnosegerät aktiviert den Kalibriermodus, und der Sensor richtet sich entlang der Fahrzeugmittellinie neu aus.
  • Dynamische Kalibrierung: Hierbei wird das Fahrzeug mit Geschwindigkeiten zwischen 40 und 80 km/h auf Straßen mit klaren Markierungen bewegt. Währenddessen überwacht das Diagnosegerät kontinuierlich die Sensorausrichtung.

Abschlusstests und Dokumentation

Nach der Kalibrierung ist eine Testfahrt unerlässlich. Dabei wird geprüft, ob sicherheitsrelevante Funktionen wie der Spurhalteassistent und die adaptive Tempomatregelung einwandfrei arbeiten. Ein abschließender Diagnosescan stellt sicher, dass keine neuen Fehlercodes aufgetreten sind.

Die Dokumentation umfasst alle relevanten Daten: Abstände, verwendete Werkzeuge, Fahrzeughöhe sowie Wetter- und Straßenbedingungen. Diese Aufzeichnungen dienen nicht nur der Qualitätskontrolle, sondern auch als rechtlicher Nachweis – ein wichtiger Aspekt bei Haftungsfragen oder Versicherungsfällen. Abschließende Tests und eine lückenlose Dokumentation garantieren die zuverlässige Funktion der ADAS-Systeme.

Fazit

Die Kalibrierung von ADAS-Systemen (Advanced Driver Assistance Systems) ist entscheidend für die Verkehrssicherheit. Studien belegen, dass selbst geringfügige Fehlausrichtungen schwerwiegende Folgen haben können – auch dann, wenn keine Warnleuchte im Fahrzeug aufleuchtet.

Nach einem Unfall ist eine professionelle Überprüfung unverzichtbar, um mögliche Fehlstellungen der Sensoren zu erkennen. Die CUBEE Sachverständigen AG bietet Fahrzeughaltern eine schnelle und digitale Schadensbewertung an – entweder an einem der praktischen Container-Standorte oder direkt vor Ort durch mobile Gutachter. Diese Gutachten erfassen detailliert, welche Reparaturen und Kalibrierungen notwendig sind. Die genaue Dokumentation der Kalibrierungsergebnisse sorgt dafür, dass sicherheitsrelevante Systeme nach einem Unfall wieder ordnungsgemäß funktionieren.

Eine vollständige Dokumentation schützt nicht nur vor möglichen Haftungsrisiken, sondern stellt auch sicher, dass gesetzliche Vorgaben wie die General Safety Regulation (GSR) eingehalten werden. Die wachsende Nachfrage nach ADAS-Kalibrierungen in Werkstätten zeigt, dass die Branche die Bedeutung dieser Maßnahmen erkannt hat.

Eine vernachlässigte Kalibrierung gefährdet nicht nur den Fahrer, sondern auch alle anderen Verkehrsteilnehmer. Präzise eingestellte Sensoren können Leben retten – und eine fachgerechte Begutachtung nach einem Unfall ist der erste Schritt, um diese Systeme wieder in einen sicheren Zustand zu versetzen.

FAQs

Woran erkenne ich, dass ADAS-Sensoren falsch kalibriert sind?

Falsch kalibrierte ADAS-Sensoren können sich auf verschiedene Weise bemerkbar machen: Das System erkennt Hindernisse entweder zu spät oder gar nicht, gibt Warnungen ohne Grund aus oder funktioniert im schlimmsten Fall überhaupt nicht mehr. Solche Fehler können die Sicherheit im Straßenverkehr ernsthaft gefährden.

Wie oft sollte eine ADAS-Kalibrierung durchgeführt werden?

Die Kalibrierung von ADAS-Systemen (Advanced Driver Assistance Systems) sollte in regelmäßigen Abständen überprüft werden. Besonders wichtig ist dies nach bestimmten Ereignissen wie Reparaturen, dem Austausch der Windschutzscheibe, einer Achsvermessung, aufgetretenen Fehlfunktionen oder nach einem Unfall. Um die optimale Funktion und Sicherheit dieser Systeme sicherzustellen, wird in der Regel eine Überprüfung alle ein bis drei Jahre empfohlen.

Was kostet eine ADAS-Kalibrierung in der Werkstatt?

Die Kosten für eine ADAS-Kalibrierung in der Werkstatt können stark schwanken und liegen in der Regel zwischen 10.000 und 40.000 Euro. Der genaue Preis richtet sich dabei nach der Ausstattung der Werkstatt sowie dem spezifischen Fahrzeugmodell.

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