Neue Technologien verändern, wie Fahrzeuge bewertet werden. Elektrofahrzeuge, Software-Updates und Fahrerassistenzsysteme stellen Gutachter vor neue Herausforderungen. Statt nur auf Kilometerstand und Lackzustand zu schauen, müssen heute Batteriezustand (State of Health, SoH), Software-Versionen und digitale Funktionen berücksichtigt werden.
Wichtige Punkte:
- Elektrofahrzeuge: Batteriezustand ist entscheidend, da die Batterie bis zu 50 % des Fahrzeugwerts ausmacht. Gebrauchtwagen verlieren schneller an Wert als Benziner.
- Software-Updates: Over-the-Air-Updates können den Wert erhalten, indem sie neue Funktionen hinzufügen.
- Fahrerassistenzsysteme (ADAS): Systeme wie Notbremsassistent und Spurhaltekontrolle erhöhen den Wert, erfordern aber regelmäßige Wartung.
- Neue Vorschriften: Euro-7-Norm und Förderprogramme beeinflussen Preise und Bewertungen.
Digitale Bewertungssysteme, die Echtzeitdaten und Algorithmen nutzen, ersetzen klassische Methoden. Sie integrieren Batterie- und Softwaredaten, um präzisere Bewertungen zu ermöglichen. Der Wandel zeigt: Datenbasierte Ansätze sind unverzichtbar für die Zukunft der Fahrzeugbewertung.
Wie Elektrofahrzeuge die Restwerte beeinflussen
Wertverlust Elektroautos vs. Benziner: Vergleich nach 3 Jahren
Elektrofahrzeuge erleben einen stärkeren Wertverlust im Vergleich zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren. Während Benziner monatlich um 0,87 % (10,4 % pro Jahr) an Wert verlieren, liegt die monatliche Wertminderung bei Elektroautos bei 1,16 % (13,9 % pro Jahr). Nach drei Jahren behalten Elektroautos durchschnittlich nur noch 47 % ihres ursprünglichen Listenpreises, während Benziner im Schnitt 58 % erreichen.
Ein zentraler Grund dafür ist die schnelle technologische Entwicklung. Neue Modelle mit besserer Reichweite und kürzeren Ladezeiten lassen ältere Fahrzeuge schneller alt aussehen. Zudem macht die Batterie bis zu 50 % des Fahrzeugwerts aus, was den Zustand der Batterie (State of Health, SoH) zu einem entscheidenden Faktor für den Gebrauchtwagenpreis macht.
"The battery's state of health (SoH) has a major impact on the residual value of a used electric vehicle." – DAT Group
Batterieleistung und Wertverlust im Zeitverlauf
Die Batteriekapazität von Elektrofahrzeugen nimmt jährlich um etwa 2 % bis 3 % ab. Nach 7 bis 10 Jahren liegt die Kapazität oft nur noch bei 70–80 % des ursprünglichen Werts, was häufig den Austausch der Batterie erforderlich macht. Um die Batterie zu schonen, wird empfohlen, den Ladestand zwischen 20 % und 80 % zu halten. Häufiges DC-Schnellladen beschleunigt hingegen den Alterungsprozess und mindert den Wiederverkaufswert.
Ein unabhängiges Batteriezertifikat kann Verkäufern helfen, den Zustand der Batterie nachzuweisen. Solche Tests, wie sie beispielsweise die GTÜ für etwa 99 Euro anbietet, schaffen Transparenz. Käufer sollten außerdem prüfen, ob die Batterie noch unter die Herstellergarantie fällt, die in der Regel 8 Jahre oder 160.000 km umfasst. Diese Informationen spielen eine zunehmend wichtige Rolle in digitalen Bewertungssystemen.
Staatliche Förderungen und Gebrauchtwagenpreise
Auch staatliche Fördermaßnahmen beeinflussen die Preise von gebrauchten Elektrofahrzeugen erheblich. Subventionen für Neuwagen drücken die Preise auf dem Gebrauchtmarkt, da Käufer den Preis eines gebrauchten Fahrzeugs mit dem subventionierten Neupreis vergleichen und Rabatte erwarten. Ein Beispiel: Im Jahr 2025 stieg die Zahl der Neuzulassungen um 49,6 %, nachdem die Förderung 2024 ausgesetzt worden war. Diese Fahrzeuge gelangen nach 2 bis 4 Jahren auf den Gebrauchtwagenmarkt, was das Angebot erhöht.
Seit 2026 sind die Förderungen in Deutschland einkommensabhängig. Haushalte mit einem Jahreseinkommen bis 45.000 Euro können bis zu 6.000 Euro erhalten (bei zwei Kindern), während Haushalte mit einem Einkommen über 80.000 Euro keine Förderung mehr erhalten.
"The new German incentive scheme is unlikely to support citizens with lower incomes... this new system is creating pressure on BEV RVs." – Christian Schneider, Autovista Group
Software-Updates und Werterhalt von Fahrzeugen
Moderne Fahrzeuge profitieren von Over-the-Air-Updates (OTA), die regelmäßig neue Funktionen direkt ins Fahrzeug bringen. Bereits 2025 werden 72 % aller neu verkauften Fahrzeuge mit dieser Technologie ausgestattet sein. Diese Entwicklung revolutioniert die Art und Weise, wie Fahrzeuge ihren Wert über die Jahre bewahren.
Der große Unterschied zu klassischen Fahrzeugen liegt in der Flexibilität: Software-definierte Fahrzeuge (SDVs) können auch Jahre nach ihrer Produktion mit neuen Funktionen ausgestattet werden. Ein beeindruckendes Beispiel lieferte Tesla, als das Unternehmen 1,85 Millionen Fahrzeuge in den USA per Software-Update nachrüstete, um einen Sensor zu optimieren, der die korrekte Schließung der Motorhaube überprüft. Solche Updates senken nicht nur Rückrufkosten, sondern sorgen auch dafür, dass Fahrzeuge technologisch mit neueren Modellen mithalten können.
"For fleet operators and consumers, SDVs improve total cost of ownership (TCO) and enable vehicles to stay current long after production." – Konstantin Shirokinskiy, Partner bei Roland Berger
Digitale Updates sind ein Schlüsselfaktor für den Werterhalt, da sie ältere Modelle technisch auf das Niveau neuerer Fahrzeuge bringen. Doch wie genau beeinflussen diese Updates die Wertminderung und die Präferenzen der Käufer?
Wie Software-Updates die Wertminderung beeinflussen
Software-Updates können den Wertverlust von Fahrzeugen bremsen, indem sie ältere Modelle mit Funktionen ausstatten, die ursprünglich nur neueren oder teureren Varianten vorbehalten waren. Ein Beispiel: Mercedes-Benz bietet ein OTA-Upgrade für die Hinterachslenkung an, das den Lenkwinkel von vier auf zehn Grad erhöht – eine Funktion, die zuvor nur in höherwertigen Ausstattungen verfügbar war.
Die Automobilbranche investiert massiv in Software. Zwischen 2021 und 2024 stiegen die Ausgaben von 26 Milliarden Euro auf 40 Milliarden Euro. Während klassische Fahrzeuge nach der Produktion technisch unverändert bleiben, erhalten moderne Elektrofahrzeuge kontinuierliche Updates für Bereiche wie Batteriemanagement, Assistenzsysteme und Infotainment.
Doch es gibt auch Grenzen: Elektrofahrzeuge verlieren trotz regelmäßiger Updates aktuell schneller an Wert als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor (13,9 % vs. 10,4 % pro Jahr). Der Grund: Hardware-Verbesserungen, insbesondere bei Batteriereichweite und Ladegeschwindigkeit, spielen eine größere Rolle für den Wiederverkaufswert. Ein gebrauchtes Elektroauto mit 200 km Reichweite bleibt trotz aktueller Software weniger attraktiv als ein neueres Modell mit 400 km Reichweite.
Neben dem Werterhalt beeinflussen auch die Erwartungen der Käufer den Markt für updatefähige Fahrzeuge.
Käuferpräferenzen für updatefähige Fahrzeuge
Immer mehr Gebrauchtwagenkäufer legen Wert auf Fahrzeuge, die sich nachträglich um Funktionen erweitern lassen. Bereits 19,5 % aller weltweit verkauften Fahrzeuge – etwa 12 Millionen Einheiten – sind software-definierte Fahrzeuge. Diese ermöglichen es Zweitbesitzern, Features wie Sitzheizung, Matrix-Licht oder Keyless-Entry per Einmalzahlung oder Abonnement zu aktivieren, selbst wenn diese beim Erstkauf nicht gewählt wurden.
Durch die Entkopplung von Hardware und Ausstattung entsteht ein neuer Markt für digitale Fahrzeugfunktionen. Tesla zum Beispiel erzielte 2020 über 2,4 Milliarden US-Dollar Umsatz mit softwarebezogenen Services. Funktionen wie das "Full Self-Driving"-Paket, das auch nachträglich aktiviert werden kann, steigern den wahrgenommenen Wert eines Gebrauchtwagens.
"Elon Musk believes that cars should be appreciated, as opposed to depreciating, assets for the consumer." – TrendForce
Für die Fahrzeugbewertung bedeutet dies, dass nicht nur der physische Zustand, sondern auch die Software-Ausstattung und Update-Fähigkeit berücksichtigt werden müssen. Ein Fahrzeug mit aktueller Software-Version und Zugang zu zukünftigen Updates ist objektiv wertvoller als ein Modell ohne diese Möglichkeiten. Digitale Bewertungssysteme, wie sie etwa die CUBEE Sachverständigen AG (https://cubee.expert) nutzt, integrieren daher zunehmend sowohl die Hardware- als auch die Software-Historie in ihre Verfahren.
Fahrerassistenzsysteme in der Fahrzeugbewertung
Fahrerassistenzsysteme (ADAS) spielen eine zentrale Rolle bei der Bewertung von Fahrzeugen. Seit Juli 2024 schreibt die EU vor, dass alle neuen Fahrzeuge mit Systemen wie Kollisionsvermeidung, Spurverlassenswarnung und intelligenter Geschwindigkeitsanpassung ausgestattet sein müssen. Fahrzeuge ohne diese Technologien verlieren an Marktwert, da sie nicht den aktuellen Sicherheitsstandards entsprechen.
Die Auswirkungen von ADAS auf die Verkehrssicherheit sind beeindruckend: Fahrzeuge mit diesen Systemen verzeichnen rund ein Drittel weniger Unfälle, bei Lkw liegt die Reduktion sogar bei 34 %. Besonders der Notbremsassistent (AEB) hat sich bewährt und könnte bis zu 29 % aller Pkw-Unfälle verhindern. Laut Schätzungen der Europäischen Kommission könnten verpflichtende Assistenzsysteme bis 2038 über 25.000 Leben retten und 140.000 schwere Verletzungen verhindern. Diese Verbesserungen in der Sicherheit spiegeln sich direkt im Fahrzeugwert wider.
"In vehicles equipped with ADASs, the frequency of accidents was reduced by a third." – IFA - Fachinfos
Allerdings gibt es auch Herausforderungen. Die Sensoren, darunter Lidar, Radar und Kameras, erfordern regelmäßige Wartung und Überprüfung. Fehlfunktionen oder unsachgemäße Reparaturen können den Fahrzeugwert erheblich beeinflussen. Zudem führen selbst kleinere Unfälle bei ADAS-Fahrzeugen oft zu höheren Reparaturkosten. Allerdings können niedrigere Versicherungsprämien diese Mehrkosten teilweise ausgleichen.
Vorgeschriebene Sicherheitsmerkmale und Marktpreise
Die EU-Verordnung zur allgemeinen Fahrzeugsicherheit (GSR), die seit Juli 2024 in Kraft ist, hat die Fahrzeugbewertung nachhaltig verändert. Neben den bereits erwähnten Systemen sind nun auch Technologien wie Müdigkeitserkennung und Unfalldatenspeicher verpflichtend. Ab dem 7. Juli 2026 gelten diese Vorschriften auch für Sonderfahrzeuge wie Wohnmobile. Diese Regulierungen führen zu deutlichen Wertunterschieden zwischen neuen Fahrzeugen, die den Anforderungen entsprechen, und älteren Modellen ohne diese Systeme.
Eine Umfrage aus dem Jahr 2024 zeigt jedoch, dass 43 % der Fahrer der Zuverlässigkeit dieser Systeme skeptisch gegenüberstehen. Für Gutachter bedeutet dies, dass der Wartungsverlauf und die Systemintegrität bei der Fahrzeugbewertung stärker berücksichtigt werden müssen. Neben der Funktionsprüfung und Kalibrierung der Sensoren ist eine sorgfältige Dokumentation des Wartungsverlaufs, insbesondere nach Unfällen, unerlässlich. Moderne, digitale Bewertungssysteme, wie sie bei der mobilen Fahrzeugbewertung vs. traditionellen Gutachten zum Einsatz kommen, integrieren diese Anforderungen bereits in ihre Analysen.
eCall-Technologie und Bewertungsstandards
Zusätzlich zu den ADAS-Systemen beeinflussen auch Notfallsysteme wie eCall die Fahrzeugbewertung. Seit Juli 2024 sind eCall-Systeme und Unfalldatenspeicher in allen neuen Pkw der EU verpflichtend. Diese Technologien verbessern nicht nur die Notfallreaktion, sondern liefern auch wertvolle Daten für die Unfallrekonstruktion und Haftungsbewertung. Die Telemetriedaten von eCall, wie Geschwindigkeit oder Bremsvorgänge, fließen direkt in Gutachten ein und ermöglichen eine präzisere Bewertung.
Mit der zunehmenden Vernetzung der Fahrzeuge entstehen jedoch neue Risiken. Cyberangriffe könnten Sicherheitssysteme gefährden. Deshalb gewinnen Sicherheitskonzepte wie "Security and Privacy by Design" an Bedeutung, um den langfristigen Werterhalt zu sichern. Experten schätzen, dass Fehlfunktionen bei Sicherheitssystemen bis 2029 jährlich bis zu 2,3 Millionen gefährliche Vorfälle in der EU verursachen könnten.
Neue Vorschriften und Fahrzeugpreise
Die Einführung neuer Vorschriften in Deutschland verändert die Art und Weise, wie Fahrzeuge bewertet werden. Mit der Euro-7-Emissionsnorm, die 2026 in Kraft tritt, wird erstmals nicht nur der Ausstoß von Abgasen berücksichtigt, sondern auch der Abrieb von Bremsen und Reifen sowie die Haltbarkeit von Batterien. Diese umfassendere Betrachtung hat direkte Auswirkungen auf die Bewertungskriterien: Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor stehen vor strengeren Auflagen, während Elektroautos von den neuen Standards profitieren.
Zusätzlich wurde 2026 ein neues Förderprogramm für Elektrofahrzeuge eingeführt. Anders als bisherige Programme richtet sich dieses gezielt an Haushalte mit einem zu versteuernden Einkommen von bis zu 80.000 €. Diese erhalten eine Basisförderung von 3.000 € beim Kauf eines Elektroautos. Familien profitieren zusätzlich: Pro Kind erhöht sich die Förderung um 500 €, maximal jedoch um 1.000 €. Gleichzeitig steigt die Einkommensgrenze für die Förderberechtigung um 5.000 € pro Kind. Eine Familie mit zwei Kindern könnte somit bis zu 4.000 € Förderung erhalten. Solche Maßnahmen beeinflussen nicht nur die Preise für Neu- und Gebrauchtwagen, sondern auch die Bewertungssysteme, die künftig Steuer- und Förderregelungen einbeziehen müssen. Diese neuen Anforderungen wirken sich direkt auf die Emissionsstandards und den Wertverlust älterer Fahrzeuge aus.
Emissionsstandards und Wertverlust
Die Euro-7-Norm bringt strengere Anforderungen für Verbrennungsmotoren mit sich, was den Wertverlust älterer Modelle beschleunigt. Besonders Diesel- und Benzinfahrzeuge stehen unter Druck, da sie nicht nur Abgasgrenzwerte, sondern auch Feinstaublimits durch Brems- und Reifenabrieb einhalten müssen. Neu ist zudem die Berücksichtigung der Batteriehaltbarkeit und des Partikelausstoßes bei der Fahrzeugbewertung – Aspekte, die bisher nicht reguliert wurden.
Gutachter müssen künftig auch externe Kosten wie Luft- und Lärmbelastung einfließen lassen, da diese durch Steuern und Vorschriften internalisiert werden. Dies hat negative Auswirkungen auf den Werterhalt von Fahrzeugen mit fossilem Antrieb. Hersteller wie Toyota reagieren bereits auf diese Änderungen und bieten etwa zeitlich begrenzte Preisgarantien für bestimmte Modelle wie den C-HR+ an.
Neben den Umweltauflagen spielen auch steuerliche Reformen eine entscheidende Rolle auf dem Fahrzeugmarkt.
Steuerregelungen für elektrische Dienstwagen
Die Dienstwagenbesteuerung wurde zum 1. Juli 2025 reformiert und beeinflusst die Nachfrage erheblich. Die Bruttolistenpreisgrenze für die 0,25-%-Regelung wurde von 70.000 € auf 100.000 € angehoben. Dadurch müssen Mitarbeiter nur noch ein Viertel des Listenpreises als geldwerten Vorteil versteuern, was die Attraktivität von Premium-Elektrofahrzeugen wie dem BMW i5 (ab 70.200 €) oder dem Porsche Macan Electric (ab 81.200 €) deutlich erhöht hat.
Zusätzlich erlaubt die Turbo-Abschreibung für Elektrofahrzeuge, die zwischen Juli 2025 und Dezember 2027 angeschafft werden, eine Abschreibung von 75 % im ersten Jahr. Ziel ist es, den Gebrauchtwagenmarkt mit erschwinglichen Elektrofahrzeugen zu versorgen. Für Plug-in-Hybride gelten strengere Anforderungen: Sie müssen eine elektrische Mindestreichweite von 80 km oder einen maximalen CO₂-Ausstoß von 50 g/km aufweisen, um von der 0,5-%-Regelung zu profitieren.
Diese steuerlichen Vorteile reduzieren die Kosten für Mitarbeiter erheblich. Ein Verbrennerfahrzeug im Wert von 50.000 € verursacht monatlich 500 € als geldwerten Vorteil, während bei einem gleichwertigen Elektroauto nur 125 € anfallen. Solche Unterschiede beeinflussen direkt die Fahrzeugbewertung, da sie die Betriebskosten und die Attraktivität auf dem Gebrauchtwagenmarkt stark prägen. Moderne Bewertungssysteme, wie sie etwa die CUBEE Sachverständigen AG (https://cubee.expert) einsetzt, müssen diese steuerlichen und regulatorischen Änderungen berücksichtigen, um präzise Gutachten zu erstellen.
Anpassung der Fahrzeugbewertungsmethoden
Die herkömmlichen Ansätze zur Fahrzeugbewertung stoßen bei modernen Fahrzeugen an ihre Grenzen. Visuelle Inspektionen allein reichen nicht aus, um den Zustand einer Traktionsbatterie zu beurteilen. Alterungsprozesse wie Kapazitätsverluste oder ein höherer Innenwiderstand sind äußerlich nicht erkennbar. Heute fließen neben klassischen Aspekten wie Lackzustand und Kilometerstand auch Software-Versionen, Ladezyklen und die Funktionstüchtigkeit von Assistenzsystemen in die Bewertung ein. Diese Faktoren zeigen klar, warum traditionelle Methoden nicht mehr ausreichen.
Warum historische Daten an Bedeutung verlieren
Früher basierten Bewertungsmodelle auf historischen Abschreibungskurven, die sich bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor über Jahrzehnte bewährt hatten. Doch neue Technologien, wie Batterien mit Reichweiten von bis zu 5.000 km, machen diese Modelle zunehmend unbrauchbar. Ein Beispiel hierfür lieferte Hertz Anfang 2024: Das Unternehmen kündigte den Verkauf von 20.000 Elektrofahrzeugen an und nannte hohe Wertverluste sowie unsichere Restwerte als Gründe, wieder auf Verbrenner zu setzen.
Die Unsicherheiten beim State of Health (SoH), also dem Batteriezustand, erschweren die Bewertung zusätzlich. Eine Analyse von AutoScout24 im April 2024 zeigte, dass ein gebrauchter VW ID.3 (2–4 Jahre alt, unter 50.000 km) durchschnittlich 22.986 € kostete – etwa 3.700 € weniger als ein vergleichbarer VW Golf mit Verbrennungsmotor (26.697 €). Dies, obwohl der ID.3 beim Neupreis etwa 10.000 € teurer war. Der Grund: Käufer berücksichtigen mögliche Risiken teurer Reparaturen, da es keine einheitlichen Standards zur Messung der Batteriegesundheit gibt. Batteriemodule schlagen je nach Hersteller mit 1.500 € bis 5.000 € zu Buche.
„Die Batterie ist die teuerste Komponente des Fahrzeugs; diese Unsicherheiten wirken sich erheblich auf die Bewertung des Restwerts aus." – Markus Gregor, Forscher an der Technischen Hochschule Ingolstadt
Digitale Bewertungssysteme: Ein neuer Standard
Mit der zunehmenden Bedeutung von Software-Updates und Fahrerassistenzsystemen wird klar, dass digitale Bewertungssysteme die Fahrzeugbewertung grundlegend verändern. Sie greifen auf Echtzeitdaten aus dem Batteriemanagementsystem (BMS) zu und nutzen Algorithmen wie Long Short-Term Memory (LSTM) oder Convolutional Neural Networks (CNN), um präzise Vorhersagen zur verbleibenden Nutzungsdauer (Remaining Useful Lifetime, RUL) zu treffen.
Ein Vorreiter in diesem Bereich ist die CUBEE Sachverständigen AG (https://cubee.expert). Ihr Ansatz kombiniert mobile Gutachter und Container-Standorte, um Fahrzeuge direkt vor Ort zu bewerten. Gleichzeitig ermöglichen digitalisierte Prozesse die Analyse von Batteriedaten, Software-Updates und Assistenzsystemen. Das ist besonders relevant, da moderne Fahrzeuge zunehmend „software-definiert" sind: Over-the-Air-Updates können nachträglich Leistung, Reichweite oder Sicherheitsfunktionen verbessern – Aspekte, die in traditionellen Bewertungsmodellen nicht berücksichtigt werden.
Regulatorische Initiativen wie der europäische „Data Act" und die Initiative „Access to vehicle data, functions and resources" sollen sicherstellen, dass unabhängige Gutachter Zugang zu Fahrzeugdaten erhalten. Diese Transparenz ist entscheidend, um Vertrauen in neue Technologien zu schaffen und den Gebrauchtwagenmarkt für Elektrofahrzeuge zu stärken.
Fazit
Die Bewertung moderner Fahrzeuge erfordert heute eine völlig neue Herangehensweise. Während früher Kilometerstand und Lackzustand im Vordergrund standen, liegt der Fokus nun auf digitalen Aspekten wie Software-Versionen, Abonnement-Status und der Funktionalität hochentwickelter Assistenzsysteme. Diese Veränderungen spiegeln die zunehmende Bedeutung software-definierter Fahrzeuge wider, und sowohl Gutachter als auch Fahrzeugbesitzer müssen sich darauf einstellen.
Der technologische Wandel zeigt sich auch im Markt: Bis 2034 wird ein Wachstum auf 1,6 Billionen US-Dollar erwartet, mit einer jährlichen Wachstumsrate von 21,1 % zwischen 2024 und 2034. Das verdeutlicht, dass digitale Bewertungssysteme längst keine Option mehr sind, sondern eine notwendige Grundlage, um die komplexen Daten moderner Fahrzeuge korrekt zu verarbeiten.
„Das Restrisiko eines solch hochautomatisierten Systems kann nicht mehr auf der Gesamtfahrzeugebene bestimmt werden." – ASAM e.V.
Dieser Wandel macht deutlich, wie wichtig Lösungen wie die der CUBEE Sachverständigen AG geworden sind, um den Anforderungen der modernen Fahrzeugbewertung gerecht zu werden.
Die Analyse zeigt klar: Technologische Innovationen verdrängen traditionelle Bewertungsmodelle. Für Gutachter bedeutet das eine Abkehr von reinen physischen Inspektionen hin zu datenbasierten Analysen. Gleichzeitig gewinnen Over-the-Air-Updates an Bedeutung, da sie den Werterhalt moderner Fahrzeuge langfristig sichern. Auch die Gesamtbetriebskosten (TCO), die Faktoren wie Batteriezustand, Förderungen und Energiekosten umfassen, werden immer relevanter. In Deutschland etwa liegen die TCO von Elektrofahrzeugen im E-Segment bereits um 26 % unter denen vergleichbarer Dieselfahrzeuge.
Wer heute ein modernes Fahrzeug besitzt oder in der Fahrzeugbewertung tätig ist, muss sich mit Themen wie Batteriemanagement-Systemen, Software-Abonnements und Sensor-Technologien auseinandersetzen – Aspekte, die vor wenigen Jahren noch kaum eine Rolle spielten.
Die Digitalisierung stellt dabei nicht nur eine Herausforderung dar, sondern bietet auch enorme Chancen. Unternehmen wie die CUBEE Sachverständigen AG setzen auf digitale Bewertungssysteme, um den Anforderungen dieser neuen Realität gerecht zu werden und die Zukunft der Fahrzeugbewertung aktiv mitzugestalten.
FAQs
Wie prüfe ich den Batterie-SoH bei einem gebrauchten E-Auto zuverlässig?
Der Zustand der Batterie eines gebrauchten Elektroautos kann heute zuverlässig mithilfe moderner Technologien überprüft werden. Eine Möglichkeit sind KI-basierte Diagnosen, die über die On-Board-Diagnose-Schnittstelle (OBD) Batteriedaten auslesen und analysieren. Diese Methode erlaubt eine detaillierte und schnelle Einschätzung des Batteriezustands.
Alternativ gibt es auch die Option, den Batterie-SoH bei Organisationen wie dem ADAC prüfen zu lassen. Hier werden zertifizierte Checks in speziellen Prüfzentren durchgeführt, die ebenfalls zuverlässige Ergebnisse liefern. Beide Ansätze bieten eine präzise Beurteilung und helfen, den Zustand der Batterie klar zu bewerten.
Welche Software- und Abo-Features sind bei der Fahrzeugbewertung wirklich relevant?
Software- und Abo-Funktionen spielen eine zentrale Rolle, wenn es um präzise Fahrzeugbewertungen geht. KI-gestützte Technologien, der Zugriff auf Echtzeit-Daten und regelmäßige Updates sorgen dafür, dass Bewertungen nicht nur schneller, sondern auch genauer erfolgen können.
Ein Beispiel: Mithilfe von KI lassen sich Schäden automatisch erkennen und analysieren. Gleichzeitig können aktuelle Marktpreise und Trends direkt in die Bewertung einfließen. Das ist besonders relevant bei Elektrofahrzeugen und autonomen Fahrzeugen, da diese Technologien dabei helfen, Innovationen und Veränderungen auf dem Markt realistisch in den Fahrzeugwert zu integrieren.
Was sollte nach einem Unfall bei ADAS-Fahrzeugen geprüft und dokumentiert werden?
Nach einem Unfall mit Fahrzeugen, die mit ADAS (Advanced Driver Assistance Systems) ausgestattet sind, ist es wichtig, die vom Event Data Recorder (EDR) gespeicherten Daten sorgfältig zu analysieren und zu dokumentieren. Diese Daten liefern entscheidende Einblicke in die Ereignisse vor und nach dem Unfall und helfen dabei, sowohl die Unfallursache als auch das Verhalten des Fahrzeugs detailliert nachzuvollziehen.
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